Nach dem großen Stromausfall in Berlin-Köpenick vergangene Woche mehren sich die Zweifel an der Echtheit des vermeintlichen Bekennerschreibens. Der Blackout hatte am Dienstag rund 30.000 Haushalte und 2.000 Gewerbebetriebe für mehr als 24 Stunden von der Stromversorgung abgeschnitten.
Ein angebliches Bekennerschreiben einer Gruppe, die sich «Vulkan» nennt, war kurz nach dem Vorfall auf einer bekannten linksradikalen Internetplattform veröffentlicht worden. Darin behaupteten die Verfasser, den Stromausfall durch einen gezielten Anschlag auf ein Kabelendverschluss-Bauwerk verursacht zu haben. Als Motivation nannten sie Protest gegen die Rodungen für die Tesla-Fabrik in Grünheide.
Die Berliner Polizei hat inzwischen ernsthafte Zweifel an der Authentizität dieses Schreibens. «Nach unseren bisherigen Erkenntnissen gibt es keine Hinweise auf eine politisch motivierte Straftat», erklärte Polizeisprecherin Martina Schröder. «Die technischen Untersuchungen am Brandort deuten eher auf einen technischen Defekt hin.»
Die Netzbetreiber Vattenfall bestätigte diese Einschätzung: «Unsere Fachleute haben keine Anzeichen für eine vorsätzliche Beschädigung der Anlagen gefunden», sagte Unternehmenssprecher Olaf Weidner. Die Brandschäden am Kabelendverschluss seien typisch für einen technischen Kurzschluss.
Experten für politischen Extremismus sehen ebenfalls Anzeichen für ein gefälschtes Bekennerschreiben. «Der Stil und die Argumentationsstruktur weichen deutlich von früheren Texten dieser Gruppe ab», erläutert Sozialwissenschaftler Dr. Markus Neumann vom Institut für Demokratieforschung. «Außerdem enthält das Schreiben technische Details, die öffentlich nicht bekannt waren, bevor die Medien darüber berichteten.»
Der Verfassungsschutz geht nach eigenen Angaben davon aus, dass Trittbrettfahrer die Situation ausnutzen wollten, um Aufmerksamkeit zu erregen oder Verunsicherung zu schüren. «Solche falschen Bekennerschreiben sind keine Seltenheit. Sie stellen eine besondere Herausforderung für unsere Ermittlungsarbeit dar», sagte ein Sprecher der Behörde.
Für die betroffenen Anwohner in Köpenick bleibt der Stromausfall unabhängig von der Ursache in schlechter Erinnerung. «Es war eine harte Zeit ohne Heizung und Warmwasser bei den kalten Temperaturen», berichtet Anwohnerin Sabine Müller. Die Stadt hatte mehrere Wärmehallen eingerichtet, in denen sich die Betroffenen aufwärmen konnten.
Die Reparaturarbeiten an den beschädigten Kabeln waren aufwendig. Über 60 Techniker waren rund um die Uhr im Einsatz, um die Stromversorgung wiederherzustellen. Der wirtschaftliche Schaden für die betroffenen Gewerbetreibenden wird auf mehrere hunderttausend Euro geschätzt.
Bezirksbürgermeister Oliver Igel betonte die Bedeutung einer kritischen Infrastruktur: «Dieser Vorfall zeigt, wie abhängig wir von einer stabilen Stromversorgung sind. Wir müssen die Resilienz unserer Netze weiter stärken.»
Die Polizei setzt ihre Ermittlungen zur genauen Ursache des Stromausfalls fort. Hinweise auf einen politisch motivierten Anschlag haben sich bislang nicht erhärtet. Die Kriminalpolizei untersucht weiterhin alle technischen Spuren und wertet Zeugenaussagen aus.