In der Nacht auf Montag erschütterte ein Gewaltvorfall den Berliner Stadtteil Reinickendorf. Gegen 0:30 Uhr fielen Schüsse in einer Wohnung an der Provinzstraße. Fünf Personen wurden dabei verletzt, drei davon schwer. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort, die Hintergründe sind noch unklar.
Nach ersten Erkenntnissen wurden die Einsatzkräfte kurz nach Mitternacht zu dem Mehrfamilienhaus gerufen. Als die Beamten eintrafen, fanden sie mehrere verletzte Personen vor. Die Rettungskräfte versorgten die Verletzten umgehend und brachten sie in umliegende Krankenhäuser.
«Die Situation vor Ort war zunächst sehr unübersichtlich», berichtet Polizeisprecher Martin Halweg. «Wir konnten schnell feststellen, dass mehrere Personen durch Schüsse verletzt wurden, aber der genaue Tathergang ist noch Gegenstand der Ermittlungen.»
Die Bewohner des Hauses stehen unter Schock. «Ich habe laute Knallgeräusche gehört und dann Schreie», erzählt eine Anwohnerin, die anonym bleiben möchte. «So etwas hat es hier noch nie gegeben, ich bin wirklich erschüttert.»
Die Polizei hat den Tatort weiträumig abgesperrt. Spezialkräfte der Kriminaltechnik sichern Spuren in der Wohnung und im Treppenhaus. Auch Befragungen von Zeugen und Anwohnern laufen auf Hochtouren.
Ob es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Bekannten handelt oder andere Motive hinter der Tat stehen, ist derzeit noch völlig offen. Auch zur Identität des Täters oder möglicher Täter gibt es bisher keine gesicherten Informationen. Die Polizei hält sich mit Details zurück, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden.
«Wir bitten die Bevölkerung um Mithilfe. Wer in der Nacht zum Montag verdächtige Beobachtungen im Bereich der Provinzstraße gemacht hat, sollte sich umgehend mit uns in Verbindung setzen», erklärt der Polizeisprecher.
Der Vorfall reiht sich in eine besorgniserregende Serie von Gewalttaten in Berlin ein. Erst vor wenigen Wochen kam es in Wedding zu einer Schießerei, bei der zwei Personen verletzt wurden. Die Polizeigewerkschaft fordert angesichts der steigenden Waffengewalt mehr Personal und bessere Ausstattung für die Berliner Polizei.
Die Ermittler der Mordkommission haben inzwischen die Fallführung übernommen. In den kommenden Tagen werden die Vernehmungen der Verletzten fortgesetzt, sofern deren Gesundheitszustand dies zulässt. Auch die Auswertung der Spuren vom Tatort könnte wichtige Hinweise liefern.
Die Polizei bittet Zeugen, sich beim Landeskriminalamt Berlin oder bei jeder anderen Polizeidienststelle zu melden. Hinweise werden auch anonym entgegengenommen.
Anwohner in Reinickendorf zeigen sich besorgt über den Vorfall. «Ich wohne seit 20 Jahren hier und habe mich immer sicher gefühlt», sagt Dieter Schmitt, der nur wenige Häuser entfernt wohnt. «Jetzt überlege ich, ob ich wegziehen sollte.»
Die Bezirksbürgermeisterin von Reinickendorf hat für die kommende Woche einen runden Tisch zur Sicherheitslage im Bezirk angekündigt. Daran sollen neben Vertretern der Polizei auch Sozialarbeiter und Anwohnervertreter teilnehmen, um gemeinsam Strategien gegen die zunehmende Gewalt zu entwickeln.