Die traditionelle Kaffeewette in Berlin-Kreuzberg wird nun doch stattfinden können. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat persönlich eingegriffen und eine Entscheidung des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg gekippt. Die Veranstaltung, die seit 30 Jahren in der Nachbarschaft beliebt ist, stand kurzzeitig auf der Kippe.
«Manchmal muss man einfach pragmatische Lösungen finden», erklärte Wegner am Mittwoch. «Berlin ist eine Stadt der Vielfalt und des Miteinanders. Solche Traditionen gehören zu unserem Stadtleben dazu.»
Die Kaffeewette ist eine Aktion, bei der Anwohner des Graefekiezes seit drei Jahrzehnten zusammenkommen. Das Prinzip ist einfach: Nachbarn tauschen sich bei Kaffee und Kuchen aus, lernen sich kennen und schließen Wetten über lokale Ereignisse ab. Der Erlös fließt in soziale Projekte im Kiez.
Vergangene Woche hatte das Bezirksamt die Veranstaltung untersagt. Begründung waren angeblich fehlende Genehmigungen und Sicherheitsbedenken. Diese Entscheidung stieß bei Anwohnern und lokalen Initiativen auf Unverständnis und Protest. In sozialen Medien wurde unter dem Hashtag #RettetDieKaffeewette mobilisiert.
«Es ist absurd, dass eine kleine Nachbarschaftsaktion mit so viel Bürokratie konfrontiert wird», sagte Monika Herrmann, eine der Organisatorinnen. «Wir treffen uns seit 30 Jahren, es gab nie Probleme.»
Die ursprüngliche Absage kam vom grün geführten Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) verwies auf Vorschriften zur Nutzung öffentlicher Flächen und mögliche Haftungsfragen.
«Natürlich müssen Regeln eingehalten werden», betonte ein Sprecher des Bezirksamts. «Aber wir hätten gemeinsam nach einer Lösung suchen können, anstatt die Veranstaltung komplett zu untersagen.»
Nach Wegners Intervention lenkte das Bezirksamt ein. In einem gemeinsamen Gespräch wurden praktische Lösungen gefunden. Die Veranstalter müssen nun einige Auflagen erfüllen: Eine Haftpflichtversicherung abschließen, Rettungswege freihalten und die Veranstaltungsfläche klar kennzeichnen.
«Das ist ein Sieg des gesunden Menschenverstands», freut sich Thomas Schmidt, langjähriger Teilnehmer der Kaffeewette. «Es zeigt, dass Bürgerengagement etwas bewirken kann.»
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Berliner Verwaltung. Kritiker sehen darin ein Beispiel für überbordende Bürokratie, die bürgerschaftliches Engagement erschwert. Befürworter der ursprünglichen Entscheidung verweisen dagegen auf die Notwendigkeit klarer Regeln für die Nutzung öffentlicher Räume.
«Berlin lebt von seiner Vielfalt und seinen Nachbarschaften», erklärte Wegner. «Wir müssen einen vernünftigen Weg finden zwischen notwendigen Vorschriften und dem Erhalt lokaler Traditionen.»
Die diesjährige Kaffeewette findet nun wie geplant am kommenden Sonntag statt. Die Organisatoren erwarten nach der öffentlichen Aufmerksamkeit einen Besucherrekord. «Diese Geschichte hat uns viele neue Unterstützer gebracht», sagt Organisatorin Herrmann. «Am Ende wird die Kiezgemeinschaft gestärkt aus der Sache hervorgehen.»
Für Wegner, der seit April 2023 Regierender Bürgermeister ist, bedeutet die Entscheidung einen Imagegewinn. Der CDU-Politiker hatte im Wahlkampf versprochen, Berlins Verwaltung bürgerfreundlicher zu gestalten und unbürokratische Lösungen zu finden.
Die Debatte um die Kaffeewette reiht sich ein in eine größere Diskussion über die Balance zwischen Regulierung und Freiräumen in der wachsenden Metropole. Berlin ringt seit Jahren mit der Frage, wie viel Spontaneität und Kreativität die Stadt zulassen kann und will.