Im Frankfurter Stadtteil Gallus wächst die Frustration über eine bildungspolitische Entscheidung, die viele Anwohner nicht nachvollziehen können. Der geplante Umzug der Berta-Jourdan-Schule ins Gallus wird durch die Grünen im Römer blockiert. Dies sorgt für Unmut bei Eltern, Schülern und lokalen Bildungseinrichtungen.
Die Berta-Jourdan-Schule, eine traditionsreiche Bildungseinrichtung für Hauswirtschaft und Soziales, benötigt seit Jahren dringend neue Räumlichkeiten. Ein Umzug ins Gallus schien die logische Lösung zu sein. Der Stadtteil würde von einer weiteren Bildungseinrichtung profitieren, und die Schule könnte endlich angemessene Bedingungen erhalten. Doch was zunächst als Win-win-Situation erschien, hat sich zu einem politischen Tauziehen entwickelt.
«Wir verstehen nicht, warum dieser sinnvolle Plan jetzt blockiert wird», sagt Martina Weber, Vorsitzende des Elternbeirats. «Unsere Kinder lernen seit Jahren unter beengten Verhältnissen. Im Gallus gäbe es endlich ausreichend Platz für moderne Unterrichtskonzepte.»
Die Grünen im Römer begründen ihre Haltung mit stadtplanerischen Bedenken. Sie argumentieren, dass die vorgesehene Fläche für andere Nutzungen reserviert werden sollte. «Wir müssen die Stadtentwicklung ganzheitlich betrachten», erklärt Stadtrat Thomas Müller von den Grünen. «Es geht nicht nur um eine einzelne Schule, sondern um die langfristige Planung für das gesamte Quartier.»
Diese Position stößt jedoch auf Kritik von anderen Parteien im Stadtparlament. Die CDU wirft den Grünen vor, Bildungspolitik den eigenen ideologischen Vorstellungen unterzuordnen. «Hier wird auf dem Rücken der Schülerinnen und Schüler Politik gemacht«, kritisiert die CDU-Fraktionsvorsitzende Claudia Becker. «Eine bewährte Schule braucht neue Räume, und das Gallus würde von der Ansiedlung profitieren.»
Auch die SPD zeigt wenig Verständnis für die Blockade. «Das Gallus ist ein Stadtteil im Wandel, der von mehr Bildungseinrichtungen nur profitieren kann», betont Stadtrat Michael Schmidt. «Die Berta-Jourdan-Schule würde gut ins Viertel passen und könnte Synergien mit bestehenden Einrichtungen schaffen.»
Die Schulleitung der Berta-Jourdan-Schule verfolgt die Debatte mit wachsender Sorge. «Wir platzen aus allen Nähten«, erklärt Schulleiterin Dr. Sabine Neumann. «Unsere Schülerinnen und Schüler verdienen bessere Lernbedingungen. Der Standort im Gallus wäre ideal, um unsere pädagogischen Konzepte weiterzuentwickeln und die Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen zu stärken.»
Im Gallus selbst gibt es unterschiedliche Stimmen. Viele Anwohner würden die Schule willkommen heißen. «Wir brauchen mehr Bildungsangebote im Viertel», sagt Ahmad Yilmaz, Vorsitzender des Quartiersmanagements Gallus. «Eine berufsorientierte Schule könnte gerade für unsere Jugendlichen neue Perspektiven eröffnen.»
Andere Bewohner teilen jedoch die Bedenken der Grünen und sorgen sich um die zunehmende Verdichtung im Stadtteil. «Wir haben ohnehin wenig Freiflächen», gibt Anwohnerin Heike Schmidt zu bedenken. «Bevor neue Einrichtungen angesiedelt werden, sollte die Infrastruktur verbessert werden.»
Die Bildungsdezernentin der Stadt, Dr. Petra Klein, bemüht sich um Vermittlung. «Wir nehmen die Bedenken aller Seiten ernst. Gleichzeitig müssen wir praktikable Lösungen für die Raumnot der Berta-Jourdan-Schule finden. Das Gallus bietet dafür gute Voraussetzungen, aber wir sind offen für Alternativen.»
Für die rund 450 Schülerinnen und Schüler der Berta-Jourdan-Schule bedeutet die Verzögerung weitere Jahre in unzureichenden Räumlichkeiten. «Wir fühlen uns im politischen Streit vergessen«, sagt Schülersprecherin Lisa Müller. «Während die Erwachsenen diskutieren, müssen wir jeden Tag mit den Problemen leben.»
Der Fall zeigt exemplarisch, wie Stadtentwicklung und Bildungspolitik manchmal in Konflikt geraten. Die Grünen betonen ihre Verantwortung für eine nachhaltige Stadtplanung, während Befürworter des Umzugs die konkreten Bildungsbedürfnisse in den Vordergrund stellen.
In der nächsten Sitzung des Bildungsausschusses soll das Thema erneut diskutiert werden. Bis dahin bleibt die Zukunft der Berta-Jourdan-Schule ungewiss. Für die Schülerinnen und Schüler, die auf bessere Lernbedingungen hoffen, ist dies eine frustrierende Situation.
«Es geht hier nicht um Parteipolitik, sondern um die Zukunft unserer Kinder«, mahnt Elternvertreter Klaus Wagner. «Wir erwarten, dass alle Beteiligten konstruktiv nach einer Lösung suchen, die sowohl der Schule als auch dem Stadtteil gerecht wird.»
Die Zeit drängt. Laut Schulamt sind die bestehenden Räumlichkeiten der Berta-Jourdan-Schule nur noch begrenzt nutzbar. Eine Entscheidung sollte noch in diesem Jahr fallen, damit die Planungen für einen Umzug oder einen alternativen Standort beginnen können.
Die Debatte um den Umzug der Berta-Jourdan-Schule ins Gallus steht stellvertretend für die Herausforderungen wachsender Städte: Wie lassen sich verschiedene Interessen ausbalancieren? Wie kann Bildungspolitik mit Stadtentwicklung in Einklang gebracht werden? Und wessen Stimmen werden dabei gehört?