Nach dem überraschenden Stromausfall in weiten Teilen Berlins letzte Woche rückt die Sicherheit kritischer Infrastruktur in den Fokus. Die Grünen im Bundestag haben nun einen umfassenden Sicherheitscheck für das Regierungsviertel gefordert. Der stundenlange Stromausfall hatte für Chaos in mehreren Stadtteilen gesorgt und Fragen zur Verletzlichkeit unserer Energieversorgung aufgeworfen.
«Was passiert, wenn plötzlich im Bundestag der Strom ausfällt? Diese Frage müssen wir dringend beantworten», sagt Konstantin von Notz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen. «Der Blackout in Berlin hat gezeigt, wie anfällig unsere Infrastruktur sein kann. Gerade in Zeiten hybrider Bedrohungen brauchen wir einen gründlichen Sicherheitscheck für alle Parlamentsgebäude.»
Der Stromausfall hatte am vergangenen Dienstag etwa 35.000 Haushalte und Gewerbebetriebe in den Bezirken Mitte, Charlottenburg und Spandau betroffen. Die Störung dauerte fast vier Stunden an. Nach ersten Untersuchungen war ein defektes Kabel in einem Umspannwerk die Ursache. Die Netzbetreiber betonen, es habe sich um einen technischen Defekt gehandelt, nicht um Sabotage.
Doch gerade diese Unterscheidung bereitet Sicherheitsexperten Sorgen. «Ein gezielter Angriff auf unsere Stromversorgung könnte sehr ähnliche Auswirkungen haben wie ein technischer Defekt», erklärt Dr. Claudia Weber vom Institut für Infrastruktursicherheit. «Der Unterschied ist nur, dass bei einem Angriff mehrere kritische Punkte gleichzeitig betroffen sein könnten.»
Die Grünen fordern nun einen umfassenden Test der Notfallsysteme im Regierungsviertel. Dabei sollen Schwachstellen identifiziert und beseitigt werden. «Der Bundestag muss auch bei einem längeren Stromausfall handlungsfähig bleiben«, betont von Notz. Die Notstromaggregate sollten regelmäßig getestet und die Treibstoffvorräte überprüft werden.
Der Ältestenrat des Bundestags will das Thema in seiner nächsten Sitzung besprechen. Auch die Bundestagsverwaltung bestätigte, dass man die Notfallpläne überprüfen werde. «Wir nehmen die Bedenken sehr ernst», heißt es aus Parlamentskreisen.
Für die Berliner war der Stromausfall mehr als nur ein kurzes Ärgernis. Ausgefallene Ampeln führten zu Verkehrschaos, Geschäfte mussten schließen, und viele Menschen saßen in Aufzügen fest. Die Feuerwehr war mit zahlreichen Einsätzen beschäftigt.
«Im Winter wäre so ein Ausfall noch problematischer gewesen», sagt Michael Lehmann vom Berliner Mieterverein. «Ohne Heizung und Licht über mehrere Stunden – das kann besonders für ältere Menschen oder Familien mit kleinen Kindern schnell zur Belastung werden.»
Die Diskussion über die Sicherheit der Stromversorgung ist nicht neu. Bereits 2022 hatte die Bundesregierung nach Beginn des Ukraine-Kriegs einen Stresstest für die Energieversorgung durchgeführt. Dabei ging es vor allem um mögliche Engpässe bei der Stromerzeugung.
«Der aktuelle Vorfall zeigt, dass wir auch die Verteilnetze stärker in den Blick nehmen müssen», sagt Energieexperte Thorsten Müller. «Ein modernes Stromnetz muss nicht nur leistungsfähig, sondern auch widerstandsfähig gegen Störungen sein – egal ob diese technisch bedingt oder mutwillig herbeigeführt werden.»
Die Bundestagsverwaltung verfügt nach eigenen Angaben über Notfallpläne für verschiedene Szenarien, darunter auch längere Stromausfälle. Diese Pläne sollen nun überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Besonders wichtig sei die Absicherung der Kommunikationssysteme und der IT-Infrastruktur.
Experten empfehlen auch Privatpersonen, sich auf mögliche Stromausfälle vorzubereiten. Dazu gehören Taschenlampen, Batterien, ein batteriebetriebenes Radio und Vorräte an Lebensmitteln und Wasser für einige Tage.
«Ein gut vorbereiteter Haushalt kann einen Stromausfall von 24 bis 48 Stunden ohne größere Probleme überstehen», sagt Katastrophenschutzexperte Jürgen Schubert. «Die meisten Menschen unterschätzen jedoch, wie abhängig wir von einer stabilen Stromversorgung sind.»
Der Berliner Senat hat angekündigt, den Vorfall gründlich aufzuarbeiten und die Kommunikation zwischen Netzbetreibern, Behörden und Einsatzkräften zu verbessern. Auch die Informationspolitik gegenüber den Bürgern soll optimiert werden. Viele Betroffene hatten beklagt, zu wenig über Ursache und voraussichtliche Dauer des Ausfalls erfahren zu haben.
Die Forderung der Grünen nach einem Sicherheitscheck für den Bundestag könnte der Anfang einer breiteren Debatte über die Sicherheit kritischer Infrastruktur sein. Eine Debatte, die angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen dringender denn je erscheint.