Der Winter zeigt seine tückische Seite. Seit gestern Abend verwandeln sich Straßen und Gehwege in Norddeutschland in gefährliche Rutschbahnen. Vor meinem Fenster glitzert alles wie mit Zuckerguss überzogen. Schön anzusehen, aber lebensgefährlich. Der Deutsche Wetterdienst hat für weite Teile Niedersachsens, Hamburg und Schleswig-Holstein die höchste Unwetterwarnstufe ausgerufen.
Auf der A7 bei Hamburg stehen die Fahrzeuge seit Stunden. Mindestens 15 Unfälle wurden bereits gemeldet. «Bei Blitzeis hilft selbst vorsichtiges Fahren kaum noch», erklärt Polizeisprecher Martin Richter. «Bleiben Sie zu Hause, wenn Sie nicht unbedingt raus müssen.» Gestern Abend habe ich selbst erlebt, wie schnell es geht – beim Aussteigen aus dem Auto rutschte mir der Schlüssel aus der Hand, und ich konnte mich gerade noch am Türgriff festhalten. Die Einsatzkräfte arbeiten am Limit. In Hannover blieben sogar die Straßenbahnen in den Depots.
Was uns die aktuelle Wetterlage wieder deutlich vor Augen führt: Die Natur lässt sich nicht kontrollieren. Trotz modernster Technik und Wettervorhersagen bleibt der Winter unberechenbar. Meteorologen rechnen mit Entspannung erst morgen Mittag. Bis dahin gilt: Vorsicht hat Vorrang vor Termindruck. Manchmal ist das Wohnzimmersofa einfach der sicherste Ort.