Die Nacht explodiert in tausend Lichtern, während ich vom Balkon das jährliche Spektakel beobachte. Doch was für die einen Tradition ist, bedeutet für andere Angst und Schrecken. Die aktuelle Petition für ein bundesweites Böllerverbot zu Silvester hat nun über eine Million Unterschriften erreicht – ein bemerkenswerter Erfolg, der die gesellschaftliche Spaltung beim Thema Feuerwerk offenlegt.
Tierschützer, Umweltverbände und Ärztevertreter unterstützen die Forderung vehement. Die Gründe sind vielfältig: Verletzte Menschen, verängstigte Tiere, Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung. «Die enormen Belastungen für Mensch, Tier und Umwelt stehen in keinem Verhältnis zum kurzfristigen Vergnügen», erklärt Dr. Martina Weber von der Deutschen Umwelthilfe. Besonders in Erinnerung bleibt mir der letzte Jahreswechsel. Mein Hund zitterte stundenlang unter dem Bett, während draußen die Böller knallten.
Die Gegenseite argumentiert mit Tradition und persönlicher Freiheit. Für viele gehört das Feuerwerk zum Jahreswechsel wie der Tannenbaum zu Weihnachten. Die Corona-Jahre haben gezeigt, wie schmerzlich solche Bräuche vermisst werden können. Feuerwerksbranche und Einzelhandel warnen zudem vor wirtschaftlichen Einbußen.
Die Debatte offenbart einen grundsätzlichen gesellschaftlichen Konflikt: Wie viel Tradition darf bleiben, wenn sie nachweislich schadet? Wie viel Regulierung ist nötig, wie viel Freiheit möglich? Während die Politik zögert, zeigt die Petition eines deutlich: Der Wunsch nach Veränderung wächst – leiser, aber nicht weniger leuchtend als das hellste Silvesterfeuerwerk.