In den frühen Morgenstunden des gestrigen Tages brach auf der beliebten Kinder- und Jugendfarm «Spielwiese» im Dresdner Stadtteil Pieschen ein verheerendes Feuer aus. Glücklicherweise konnten alle Tiere rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, doch die materiellen Schäden sind erheblich. Die Farm, die seit über 20 Jahren ein wichtiger Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche ist, steht nun vor großen Herausforderungen.
Laut Feuerwehr Dresden wurde der Alarm gegen 4:30 Uhr ausgelöst. Als die Einsatzkräfte eintrafen, stand bereits ein Teil der Stallungen in Flammen. «Unsere erste Sorge galt den Tieren», erklärte Einsatzleiter Thomas Müller. «Durch das schnelle Handeln unserer Leute und der herbeigeeilten Farmleitung konnten wir alle Kaninchen, Meerschweinchen, Ziegen und Schafe rechtzeitig evakuieren.»
Die Löscharbeiten dauerten mehrere Stunden, da immer wieder Glutnester aufflammten. Insgesamt waren 45 Feuerwehrleute mit acht Fahrzeugen im Einsatz. Die Polizei hat Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen, erste Hinweise deuten auf einen technischen Defekt in der Elektroinstallation hin.
Farmleiter Michael Schmidt zeigte sich trotz der Umstände erleichtert: «Wir sind unendlich dankbar, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist und alle unsere Tiere gerettet werden konnten. Das ist in diesem Moment das Wichtigste.»
Die «Spielwiese» ist mehr als nur ein Bauernhof. Seit ihrer Gründung 1999 bietet die Einrichtung Kindern und Jugendlichen aus dem Stadtteil die Möglichkeit, mit Tieren in Kontakt zu kommen, gärtnerische Erfahrungen zu sammeln und handwerkliche Fähigkeiten zu erlernen. Täglich besuchen etwa 30 bis 50 junge Menschen die Farm, in den Ferienzeiten sogar deutlich mehr.
Die Stadträtin für Jugend und Bildung, Petra Wagner, machte sich noch am Vormittag ein Bild von der Lage: «Die ‹Spielwiese› ist ein unverzichtbarer Teil unserer sozialen Infrastruktur. Wir werden als Stadt alles tun, um einen schnellen Wiederaufbau zu ermöglichen.»
Besonders betroffen von dem Brand sind die Stallungen, ein Geräteschuppen sowie der Aufenthaltsraum für die Kinder. Erste Schätzungen gehen von einem Sachschaden in Höhe von mindestens 150.000 Euro aus. Ob die Versicherung alle Kosten übernimmt, ist derzeit noch unklar.
Die Solidarität im Stadtteil ist groß. Bereits am Nachmittag boten mehrere Anwohner ihre Hilfe an. Familie Lehmann aus der Nachbarschaft stellte spontan ihren Garten für die vorübergehende Unterbringung einiger Tiere zur Verfügung. «Als wir von dem Brand hörten, war für uns sofort klar, dass wir helfen möchten», sagte Marion Lehmann. «Unsere Kinder lieben die Farm und kommen fast jede Woche hierher.»
Auch lokale Unternehmen zeigen sich hilfsbereit. Der Baumarkt «Holz & Co.» hat bereits Baumaterial für Notreparaturen gespendet, und das Gartencenter «Grüne Oase» stellte Futter für die Tiere bereit.
Die Farmleitung hat inzwischen ein Spendenkonto eingerichtet. «Die Welle der Hilfsbereitschaft überwältigt uns», berichtet Sozialarbeiterin Jana Weber, die das pädagogische Team der Farm leitet. «Viele Eltern und Kinder haben uns heute angerufen und gefragt, wie sie helfen können.»
Für die kommenden Tage plant das Team bereits provisorische Angebote auf dem nicht vom Brand betroffenen Teil des Geländes. «Wir wollen den Kindern Normalität bieten, soweit das möglich ist», erklärt Weber. «Gerade für die Stammbesucher ist die Farm ein wichtiger Anker im Alltag.»
Der Förderverein der Farm hat für das kommende Wochenende einen Aktionstag angekündigt, bei dem gemeinsam aufgeräumt und erste Instandsetzungsarbeiten durchgeführt werden sollen. Vorsitzender Klaus Neumann hofft auf rege Beteiligung: «Jede helfende Hand ist willkommen. Zusammen werden wir die ‹Spielwiese› wieder aufbauen, schöner und sicherer als zuvor.»
Bis die Farm wieder vollständig hergestellt ist, werden voraussichtlich mehrere Monate vergehen. Die Stadtverwaltung prüft derzeit, ob für die Übergangszeit zusätzliche Räume in der Nähe zur Verfügung gestellt werden können. Oberbürgermeister Frank Schmidt versprach bei seinem Besuch am Nachmittag unbürokratische Hilfe: «Die ‹Spielwiese› ist ein Herzstück unserer Jugendarbeit. Wir werden den Wiederaufbau mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen.»
Trotz des Schocks blicken die Verantwortlichen nach vorne. «Wir haben in den letzten 20 Jahren schon viele Herausforderungen gemeistert», sagt Farmleiter Schmidt. «Auch diese Krise werden wir überstehen – dank der Unterstützung der Gemeinschaft und der Begeisterung der Kinder, die uns immer wieder motiviert.»