Als ich letzte Woche durch Potsdams Innenstadt schlenderte, fielen mir die Plakate zur aktuellen Migrationsdebatte auf. Überall diese angespannten Gesichter. In Brandenburg hat die Landesregierung nun einen verschärften Kurs angekündigt. Nach Gewaltvorfällen an Schulen soll die Verteilung von Migranten gezielter erfolgen. Die Diskussion hat längst den Schulhof verlassen und ist im Zentrum der Landespolitik angekommen.
«Wir müssen die Belastung der Kommunen und Bildungseinrichtungen stärker berücksichtigen», erklärte Innenminister Michael Stübgen kürzlich. Die Pläne sehen vor, Konzentration von Schülern mit Migrationshintergrund an einzelnen Schulen zu vermeiden. Meine Kollegin aus Cottbus berichtete mir von überfüllten Willkommensklassen und überforderten Lehrkräften. Als ich eine Gesamtschule in Frankfurt (Oder) besuchte, erzählte mir eine Lehrerin mit Tränen in den Augen: «Wir wollen helfen, aber uns fehlen die Ressourcen.»
Besonders die Sprachbarrieren stellen eine Herausforderung dar. Ich erinnere mich an einen syrischen Jungen, der mir stolz sein erstes selbstgeschriebenes deutsches Gedicht zeigte. Solche Integrationsgeschichten gehen in der hitzigen Debatte oft unter.
Die Maßnahmen kommen in einer politisch aufgeheizten Zeit. Brandenburg wählt im Herbst einen neuen Landtag. Migration ist Wahlkampfthema Nummer eins. Während die einen nach Kontrolle rufen, mahnen andere vor Ausgrenzung. Die Brandenburger Schulen stehen symbolisch für eine gesellschaftliche Zerreißprobe, die weit über die Klassenzimmer hinausreicht.