Die jüngsten Enthüllungen um rechtsextreme Vorfälle bei der Bundeswehr in Zweibrücken haben mich tief erschüttert. Was als vereinzelte Berichte begann, entpuppt sich nun als systematisches Problem. Die Kaserne, die ich erst letzten Herbst für eine Reportage besuchte, steht plötzlich im Zentrum eines Skandals, der Fragen zur Wehrkultur aufwirft.
Die Vorwürfe wiegen schwer: Rechtsextreme Symbole in Whatsapp-Gruppen, fragwürdige Rituale und eine Kultur des Schweigens. Besonders alarmierend sind die Berichte über die Duldung durch Vorgesetzte. «Wir haben es mit einem strukturellen Versagen zu tun, nicht mit Einzelfällen», erklärt Sicherheitsexpertin Dr. Claudia Mertens. Die betroffene Einheit wurde inzwischen teilweise suspendiert. Als ich mit Anwohnern sprach, zeigte sich Betroffenheit. «Man grüßt sich auf der Straße, die gehören zum Stadtbild», erzählte mir eine Bäckereiverkäuferin. Die Diskrepanz zwischen äußerer Normalität und inneren Missständen ist frappierend. Noch vor wenigen Monaten lobte mir ein Offizier die «hervorragende Kameradschaft» – heute erscheinen diese Worte in neuem Licht.
Die Verteidigungsministerin hat eine umfassende Untersuchung angekündigt. Doch reicht das? Der Fall Zweibrücken ist kein isoliertes Ereignis, sondern reiht sich ein in eine beunruhigende Serie. Während wir über äußere Bedrohungen diskutieren, schwelt die Gefahr von innen. Als Gesellschaft müssen wir uns fragen, welche Werte unsere Streitkräfte vertreten sollen.