Die letzten Wochen waren voller hitziger Debatten. Der Wirtschaftsflügel der CDU hat einen Vorstoß gewagt, der viele Arbeitnehmer aufhorchen lässt. Der Rechtsanspruch auf Teilzeit soll fallen. Eine Forderung, die mitten ins Herz unserer Arbeitswelt zielt und Fragen nach unserer Lebensgestaltung aufwirft.
In Deutschland arbeitet fast jeder Dritte in Teilzeit. Für Familien mit Kindern, pflegende Angehörige oder Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen ist dieses Modell oft unverzichtbar. Der CDU-Wirtschaftsrat argumentiert nun mit Fachkräftemangel und Wirtschaftswachstum. «Wir brauchen mehr Arbeitsstunden, nicht weniger», erklärte Generalsekretär Wolfgang Steiger gegenüber der «Rheinischen Post». Die Arbeitgeber beklagen zudem Planungsunsicherheit.
Letzte Woche stand ich selbst im Supermarkt neben einer Kassiererin, die mir von ihrer Teilzeitstelle erzählte. «Ohne die hätte ich meine Mutter nie pflegen können», sagte sie leise. Solche Geschichten höre ich oft. Der Spagat zwischen Familie und Beruf ist für viele nur mit flexiblen Arbeitszeiten möglich. Besonders Frauen wären von einer Abschaffung betroffen – sie stellen 80 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten.
Die Debatte berührt unsere Vorstellung vom guten Leben. Während Politik und Wirtschaft mehr Arbeitsstunden fordern, sehnen sich viele nach Balance. Was wiegt schwerer: wirtschaftliche Kennzahlen oder individuelle Lebensentwürfe? Die Antwort wird unsere Gesellschaft noch lange beschäftigen. Vielleicht liegt die Lösung nicht im Entweder-oder, sondern in kreativen Kompromissen.