Die Chinesisch-Kurse an der Volkshochschule Dresden erleben einen bemerkenswerten Aufschwung. Während viele Sprachkurse um Teilnehmer kämpfen, verzeichnen die Mandarin-Angebote einen deutlichen Zuwachs an Interessenten. Dieser Trend spiegelt das wachsende Interesse an China als Wirtschaftspartner und Kulturnation wider.
«Die Nachfrage nach unseren Chinesisch-Kursen ist in den letzten zwei Jahren um fast 30 Prozent gestiegen», erklärt Sabine Müller, Programmverantwortliche für Sprachen an der VHS Dresden. «Besonders auffällig ist, dass wir inzwischen Wartelisten für die Anfängerkurse führen müssen.»
Vielfältige Motivation der Teilnehmer
Die Gründe für das Erlernen der chinesischen Sprache sind so unterschiedlich wie die Teilnehmer selbst. Thomas Weber, 42, arbeitet als Ingenieur bei einem Dresdner Technologieunternehmen mit Geschäftsbeziehungen nach China: «In meinem Beruf wird der Austausch mit chinesischen Partnern immer wichtiger. Zwar sprechen viele Chinesen Englisch, aber ich merke, wie sehr es die Geschäftsbeziehungen verbessert, wenn man zumindest Grundkenntnisse in ihrer Sprache zeigt.»
Für die Studentin Jana Becker, 24, stehen kulturelle Interessen im Vordergrund: «Ich bin fasziniert von der chinesischen Kalligraphie und Philosophie. Die Sprache zu lernen öffnet mir einen tieferen Zugang zu dieser Kultur.»
Auch Rentner Heinrich Schmidt, 67, sitzt regelmäßig in den Chinesisch-Kursen: «Nach meinem Berufsleben wollte ich mich einer wirklichen Herausforderung stellen. Chinesisch mit seinen Tonhöhen und Schriftzeichen ist perfekt dafür – und es hält mein Gehirn fit!»
Herausforderungen beim Spracherwerb
Mandarin gilt als eine der anspruchsvollsten Sprachen für deutsche Muttersprachler. Dies liegt vor allem an den vier Tonhöhen, die die Bedeutung eines Wortes komplett verändern können, sowie am komplexen Schriftsystem mit tausenden von Zeichen.
«Viele Anfänger sind zunächst eingeschüchtert», berichtet Chen Liu, eine der Chinesisch-Dozentinnen an der VHS Dresden. «Aber wir bauen den Unterricht so auf, dass auch Lernende ohne Vorkenntnisse schnell erste Erfolge erleben. Wir konzentrieren uns anfangs auf praktische Alltagskommunikation und führen die Schriftzeichen schrittweise ein.»
Kultureller Austausch im Klassenzimmer
Die VHS Dresden legt großen Wert darauf, dass in den Sprachkursen nicht nur Vokabeln und Grammatik vermittelt werden. «Sprache ist immer auch Kultur», betont Dozentin Liu. «Wir integrieren chinesische Feste, Kochkurse und Kalligraphie-Workshops in unser Programm. So verstehen die Teilnehmer nicht nur die Worte, sondern auch die Denkweise dahinter.»
Diese kulturelle Komponente schätzen viele Teilnehmer besonders. «Zu verstehen, warum bestimmte Redewendungen so sind, wie sie sind, oder welche kulturellen Tabus es gibt, ist mindestens genauso wichtig wie die Sprache selbst», meint Weber.
Digitale Lernhilfen ergänzen den Unterricht
Um den Lernprozess zu unterstützen, setzt die VHS zunehmend auf digitale Hilfsmittel. «Früher war das Erlernen der chinesischen Schrift ein jahrelanger Prozess», erklärt Liu. «Heute nutzen wir Apps, mit denen die Teilnehmer die korrekte Strichfolge der Zeichen üben können, und digitale Karteikarten für das Vokabeltraining.»
Auch außerhalb des Unterrichts bleiben die Lernenden verbunden: In einer WhatsApp-Gruppe tauschen sie Lernmaterialien aus und verabreden sich zum gemeinsamen Üben in chinesischen Restaurants der Stadt.
Wirtschaftsfaktor China motiviert viele Berufstätige
Die wirtschaftliche Bedeutung Chinas spielt für viele Teilnehmer eine entscheidende Rolle. Dresden unterhält zahlreiche Wirtschaftsbeziehungen mit chinesischen Städten, und lokale Unternehmen suchen zunehmend Mitarbeiter mit Chinesisch-Kenntnissen.
«Wir beobachten, dass etwa 40 Prozent unserer Teilnehmer berufliche Gründe für das Erlernen der Sprache angeben», sagt Müller. «Einige Unternehmen übernehmen sogar die Kursgebühren für ihre Mitarbeiter.»
Die VHS Dresden reagiert auf diese Nachfrage mit speziellen Business-Chinesisch-Kursen, die auf geschäftliche Situationen und Fachvokabular ausgerichtet sind.
Pläne für die Zukunft
Aufgrund der steigenden Nachfrage plant die Volkshochschule, ihr Chinesisch-Angebot weiter auszubauen. «Ab dem nächsten Semester werden wir zusätzliche Anfängerkurse anbieten und auch das Angebot für Fortgeschrittene erweitern», kündigt Müller an.
Zudem sind Kulturabende mit chinesischen Filmen, Lesungen und Diskussionsrunden geplant. «Wir wollen einen Ort des interkulturellen Austauschs schaffen», erklärt sie. «In Zeiten politischer Spannungen ist es umso wichtiger, dass wir einander verstehen lernen – und Sprache ist dafür der Schlüssel.»
Für Interessierte beginnen die neuen Chinesisch-Kurse an der VHS Dresden mit dem Herbstsemester am 15. September. Anmeldungen sind bereits jetzt möglich, wobei die Volkshochschule empfiehlt, sich früh anzumelden, da die Plätze erfahrungsgemäß schnell vergeben sind.