Der Winter hält die bayerischen Alpen fest im Griff, während im Kloster Seeon die CSU ihre traditionelle Jahresauftaktklausur abhält. Die Kälte draußen steht im Kontrast zur hitzig geführten Debatte im Inneren. Selten erlebte ich die Stimmung so angespannt wie in diesem Jahr, wo Migration und Steuerpolitik die Agenda dominieren.
Die CSU positioniert sich deutlich: Parteichef Markus Söder fordert eine «grundlegende Wende in der Migrationspolitik». Bei meinem Rundgang durch die holzgetäfelten Gänge des Klosters fiel mir auf, wie einheitlich die Partei in dieser Frage auftritt. «Wir brauchen eine Obergrenze und konsequentere Abschiebungen», erklärte mir ein CSU-Abgeordneter zwischen zwei Sitzungen. Die Partei will dieses Thema im Superwahljahr 2024 zentral besetzen.
Auch die Steuerpolitik erhitzt die Gemüter. Söder plädiert für umfassende Entlastungen für Bürger und Unternehmen. Als ich gestern Abend beim informellen Beisammensein war, erzählte mir eine langjährige CSU-Strategin: «Die Menschen spüren den Druck im Geldbeutel. Darauf müssen wir Antworten geben.» Besonders die Energiepreise bleiben ein Dauerthema. Mich erinnerte die Intensität der Diskussion an die Klausuren nach der Finanzkrise.
Die Atmosphäre im Kloster spiegelt die politische Großwetterlage wider. Während draußen die Schneeflocken fallen, formiert sich drinnen die konservative Agenda für 2024. Die CSU kämpft um Profil und Wählergunst. Was in diesen Tagen in Seeon beschlossen wird, könnte den Ton für das gesamte politische Jahr prägen.