Die historischen Dampfschiffe der Sächsischen Dampfschifffahrt werden bald auf internationalen Gewässern unterwegs sein. Die Weiße Flotte, wie die Dresdner Dampfer liebevoll genannt werden, plant neue Reiseangebote, die weit über die gewohnten Routen hinausgehen.
«Unsere traditionsreichen Schiffe werden künftig nicht nur zwischen Dresden und der Sächsischen Schweiz verkehren, sondern auch längere Strecken bis nach Prag und sogar in die Schweiz anbieten», erklärt Michael Lohnherr, Geschäftsführer der Sächsischen Dampfschifffahrt.
Die neuen Routen sind Teil eines Konzepts, das die älteste und größte Raddampferflotte der Welt einem breiteren Publikum zugänglich machen soll. Die Schiffe, von denen einige mehr als 100 Jahre alt sind, stellen ein bedeutendes kulturelles Erbe dar.
Die Strecke von Dresden nach Prag soll ab Frühjahr 2025 regelmäßig befahren werden. «Diese Route verbindet zwei der schönsten Städte Mitteleuropas auf eine besonders romantische Weise», betont Tourismusexperte Frank Wiesner. Passagiere können die malerische Landschaft des Elbtals genießen und gleichzeitig den Komfort historischer Schifffahrt erleben.
Besonders ambitioniert ist die geplante Verbindung in die Schweiz. Hierfür müssen die Dampfer über den Rhein-Main-Donau-Kanal fahren, was eine technische Herausforderung darstellt. «Wir haben alle notwendigen Anpassungen vorgenommen, um diese Reise möglich zu machen», versichert Lohnherr.
Die mehrtägigen Reisen sollen als Kreuzfahrterlebnis vermarktet werden. An Bord werden die Passagiere in komfortablen Kabinen übernachten und regionale Spezialitäten genießen können. Landausflüge zu Sehenswürdigkeiten entlang der Route sind ebenfalls geplant.
Dresdner Bürger reagieren mit gemischten Gefühlen auf die Pläne. «Die Dampfer gehören zu Dresden wie die Frauenkirche. Es ist schon seltsam, sie bald woanders zu sehen», meint Anwohnerin Elke Müller. Andere begrüßen die Initiative als wichtigen Schritt für den Erhalt der historischen Flotte.
Die Sächsische Dampfschifffahrt hatte in den letzten Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Niedriger Wasserstand der Elbe und die Coronakrise hatten das Unternehmen hart getroffen. Die neuen internationalen Routen sollen nun zusätzliche Einnahmequellen erschließen.
Für Dresden bedeutet das Projekt sowohl Herausforderung als auch Chance. Einerseits werden einige der beliebten Schiffe zeitweise nicht für lokale Fahrten zur Verfügung stehen. Andererseits wird die Stadt als Ausgangspunkt internationaler Schiffsreisen stärker im europäischen Tourismus verankert.
Die Tickets für die ersten Fahrten nach Prag sollen bereits im Herbst buchbar sein. Die Preise werden bei etwa 450 Euro für eine Hin- und Rückfahrt mit Übernachtung liegen. Für die Schweiz-Route werden die Preise deutlich höher ausfallen, da die Reise über eine Woche dauern wird.
«Die Elbe verbindet nicht nur Regionen, sondern auch Menschen und Kulturen», fasst Lohnherr zusammen. Mit den neuen Routen schlägt die älteste Dampfschiffflotte der Welt ein neues Kapitel ihrer langen Geschichte auf – ein Kapitel, das die Tradition der Elbschifffahrt in die Zukunft trägt.