Letzte Woche habe ich wieder einmal erlebt, wie schnell Leidenschaft in Gewalt umschlägt. Beim Zweitligaspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC eskalierten Fanausschreitungen derart, dass der Schiedsrichter die Partie unterbrechen musste. Vermummte Anhänger stürmten aufeinander zu, Pyrotechnik flog hin und her. Was bleibt, sind nicht nur juristische Konsequenzen, sondern vor allem die Frage: Wohin steuert unsere Fankultur?
Der DFB hat für diese Woche Ermittlungsverfahren gegen beide Vereine angekündigt. Zunächst werden Dresden und Hertha schriftlich um Stellungnahmen gebeten. Die Dresdner Polizei ermittelt bereits wegen Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung gegen mehr als ein Dutzend Personen. Angesichts früherer Vorfälle drohen beiden Clubs empfindliche Strafen. Stephan Zimmermann, Geschäftsführer von Dynamo, sprach von einem „absoluten Schlag ins Kontor». Besonders bitter: Er setzt sich seit Monaten für Faninteressen ein. Dann passiert genau das. Auch Trainer Thomas Stamm zeigte sich enttäuscht. Gerade nach der würdevollen Trauerminute für Hans-Jürgen Kreische hätte der Sport im Vordergrund stehen müssen. Ich selbst kenne diese Atmosphäre in Stadien. Diese Energie, die kippt, sobald Einzelne die Grenze überschreiten.
Diese Ausschreitungen schaden nicht nur den Vereinen, sondern gefährden die gesamte Fankultur in Deutschland. Zwischen Leidenschaft und Gewalt verläuft eine dünne Linie. Sie zu respektieren, liegt in unser aller Verantwortung. Sonst verlieren wir das, was Fußball ausmacht.