Das Smartphone-Video aus Herne schockiert. Ein DHL-Bote prügelt auf ein Pärchen ein, tritt nach der am Boden liegenden Frau. Die Szene verbreitet sich rasant in sozialen Medien. Die Polizei Bochum ermittelt bereits wegen gefährlicher Körperverletzung.
Die Paketbranche steht unter enormem Druck. Lieferanten hetzen von Tür zu Tür, während Empfänger auf pünktliche Zustellung pochen. «Oft prallen Welten aufeinander, wenn Zeitdruck auf Kundenerwartung trifft», erklärt Logistikexperte Thomas Weber. Die Spannungen entladen sich manchmal wie in Herne auf offener Straße.
Letzte Woche erlebte ich selbst, wie unser Paketbote fast zusammenbrach. Über 200 Sendungen an einem Tag, keine Pause. Sein Gesicht gezeichnet von Erschöpfung. Wir wechselten ein paar freundliche Worte und er wirkte dankbar für diesen kurzen menschlichen Moment.
DHL distanziert sich «in aller Deutlichkeit» vom Vorfall in Herne und prüft arbeitsrechtliche Konsequenzen. Doch was bleibt, ist die Frage nach dem System dahinter. In einer Gesellschaft, die sofortige Lieferung erwartet, zahlen Menschen wie dieser Bote und sein Opfer den höchsten Preis – einer mit seiner Würde, einer mit seiner Sicherheit.