Der Schatten der Krise liegt über dem Chemiestandort Leuna. Beim morgendlichen Blick aus meinem Bürofenster auf das Industriegebiet wirkt alles wie immer – doch für 500 Menschen hat sich seit gestern alles verändert. Die belgische DOMO Chemicals hat Insolvenz angemeldet. Ein weiterer Schlag für unsere Region, die seit Jahren mit den Herausforderungen der Industrietransformation ringt.
«Die deutsche Chemieindustrie erlebt ihren schwersten Strukturwandel seit Jahrzehnten», erklärte mir Wirtschaftsminister Sven Schulze gestern am Telefon. Seine Stimme klang besorgt, aber entschlossen. Die Landesregierung arbeitet bereits an Rettungsplänen. Die Gründe für die Schieflage sind vielschichtig: Hohe Energiekosten, globale Konkurrenz und sinkende Nachfrage. Dazu kommt die Belastung durch Umweltauflagen. Ich erinnere mich an mein Gespräch mit einem Anlagenführer letzten Monat. «Wir produzieren seit Generationen hier. Mein Vater, mein Großvater – alle waren bei der Chemie», sagte er stolz. Diese Tradition steht nun auf dem Spiel.
Ein Insolvenzverfahren bedeutet nicht zwangsläufig das Ende. Das zeigte die erfolgreiche Rettung anderer Industriestandorte in der Region. Die nächsten Wochen werden entscheidend. Während politische Kräfte und Gewerkschaften um Lösungen ringen, bangen Familien um ihre Existenz. Der Fall DOMO steht symbolisch für die Zerreißprobe zwischen wirtschaftlicher Realität und sozialer Verantwortung – ein Dilemma, das unsere Gesellschaft noch lange beschäftigen wird.