In den letzten Monaten hat sich die Sicherheitslage am Dortmunder Hauptbahnhof spürbar verbessert. Nach Jahren steigender Kriminalität und wachsender Unsicherheitsgefühle bei Reisenden hat ein gemeinsames Maßnahmenpaket von Stadt, Polizei und Deutscher Bahn erste positive Ergebnisse gebracht.
«Die Situation am Hauptbahnhof hat sich merklich entspannt», berichtet Polizeioberkommissarin Monika Schneider. «Durch die erhöhte Präsenz von Sicherheitskräften und die baulichen Veränderungen fühlen sich sowohl Reisende als auch unsere Einsatzkräfte sicherer.» Die Zahlen geben ihr Recht: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind die gemeldeten Straftaten um 17 Prozent zurückgegangen.
Das im März 2023 gestartete «Sofortprogramm Sicherheit» umfasst mehrere Bausteine. Besonders auffällig ist die deutlich erhöhte Präsenz von Bundespolizei und DB-Sicherheitspersonal. Zusätzlich wurden 24 neue Überwachungskameras installiert, die nun auch bisher schlecht einsehbare Bereiche abdecken.
Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal zeigt sich zufrieden: «Der Hauptbahnhof ist das Eingangstor zu unserer Stadt. Dass sich hier wieder alle sicher fühlen können, war überfällig. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Bahn und Polizeibehörden funktioniert vorbildlich.»
Besonders die neu eingerichtete gemeinsame Sicherheitswache im Hauptbahnhof hat sich bewährt. Hier arbeiten Bundespolizei und DB-Sicherheit Hand in Hand. Die kurzen Wege ermöglichen schnelle Reaktionen auf Vorfälle. Durchschnittlich sind Sicherheitskräfte nun innerhalb von drei Minuten am Einsatzort – eine deutliche Verbesserung gegenüber früheren Reaktionszeiten.
Eine bauliche Maßnahme sticht besonders hervor: Die früher als Angsträume bekannten Unterführungen wurden neu gestaltet. Bessere Beleuchtung, helle Farben und die Beseitigung dunkler Ecken sorgen für mehr Übersichtlichkeit. «Ich nutze den Hauptbahnhof täglich auf dem Weg zur Arbeit und fühle mich jetzt deutlich wohler», sagt Pendlerin Sabine Müller. «Früher habe ich bestimmte Bereiche gemieden, heute nicht mehr.»
Auch für die problematische Situation rund um Alkohol- und Drogenkonsum wurden Lösungen gefunden. Die aufsuchende Sozialarbeit wurde verstärkt. Streetworker sprechen gezielt Menschen an und vermitteln Hilfsangebote. Gleichzeitig wird bei Verstößen gegen die Hausordnung konsequenter durchgegriffen. Die Zahl der Platzverweise ist im letzten Quartal um 35 Prozent gestiegen.
Die Deutsche Bahn hat zudem in die Sauberkeit investiert. Toiletten werden häufiger gereinigt, Graffiti schneller entfernt. «Ein gepflegtes Umfeld trägt erheblich zum Sicherheitsgefühl bei», erklärt DB-Regionalleiter Markus Weber. «Wir merken, dass die Reisenden das honorieren.»
Trotz der Erfolge sehen die Verantwortlichen noch Verbesserungsbedarf. Im kommenden Jahr soll das Beleuchtungskonzept auf den Vorplatz ausgeweitet werden. Zudem ist eine Ausweitung der Videoüberwachung auf bisher nicht erfasste Bereiche geplant.
Für Familien mit Kindern wurden spezielle Maßnahmen ergriffen. Der Kinderbereich im Wartesaal wurde neu gestaltet und wird nun regelmäßig von Sicherheitspersonal kontrolliert. «Besonders für Familien ist ein sicheres Umfeld wichtig», betont Jutta Kleinschmidt vom Fahrgastverband Pro Bahn. «Hier hat sich viel getan.»
Die Kosten für das Sicherheitspaket belaufen sich auf rund 2,3 Millionen Euro jährlich. Eine Summe, die laut Stadtverwaltung gut investiert ist. «Ein sicherer Hauptbahnhof ist für eine Großstadt wie Dortmund unverzichtbar», so Ordnungsdezernent Norbert Dahmen. «Die positiven Rückmeldungen der Bürgerinnen und Bürger geben uns Recht.»
Auch Geschäftsleute im Bahnhof profitieren von den Maßnahmen. «Wir haben mehr Kunden, seit sich die Situation verbessert hat», berichtet Kioskbesitzer Mehmet Yilmaz. «Früher haben viele Menschen den Bahnhof gemieden, wenn sie nicht unbedingt reisen mussten.»
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Abend- und Nachtstunden. Hier wurden die Streifen verstärkt und zusätzliche Sicherheitsleute eingesetzt. An Wochenenden sind nun doppelt so viele Kräfte im Einsatz wie noch vor einem Jahr.
Die Erfahrungen aus Dortmund sollen nun auch anderen Bahnhöfen zugutekommen. Die Deutsche Bahn plant, erfolgreiche Elemente des Sicherheitskonzepts auf weitere Großstadtbahnhöfe zu übertragen. «Was in Dortmund funktioniert, kann auch andernorts wirken», ist DB-Sicherheitschef Hans-Hilmar Rischke überzeugt.
Bis Ende des Jahres sollen alle geplanten Maßnahmen vollständig umgesetzt sein. Eine umfassende Evaluation ist für Frühjahr 2024 vorgesehen. Dann wird sich zeigen, ob der positive Trend nachhaltig ist.