Die Ruhrbahn hat entschieden, eine Buslinie im Essener Stadtgebiet einzustellen. Nach monatelanger Beobachtung der Fahrgastzahlen zogen die Verantwortlichen nun die Konsequenzen. Die betroffene Linie wies über einen längeren Zeitraum hinweg eine zu geringe Auslastung auf, was den Weiterbetrieb wirtschaftlich nicht mehr rechtfertigte.
«Wir müssen bei der Planung unseres Angebots stets die Balance zwischen flächendeckender Versorgung und wirtschaftlichem Betrieb finden», erklärt Michael Schmidt, Sprecher der Ruhrbahn. «Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, aber die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.»
Die betroffene Buslinie, die vorwiegend Randbezirke der Stadt bediente, wurde in den vergangenen Monaten im Durchschnitt von weniger als zehn Fahrgästen pro Fahrt genutzt. Die Betriebskosten für Personal, Fahrzeuge und Kraftstoff standen in keinem vertretbaren Verhältnis mehr zur tatsächlichen Nutzung.
Für die wenigen Stammfahrgäste der Linie hat die Ruhrbahn Alternativen erarbeitet. In einigen Abschnitten wird das Angebot durch bestehende Linien mit leicht angepassten Routen aufgefangen. Für entlegenere Haltestellen wird der Einsatz von bedarfsorientierten Angeboten wie dem Anrufsammeltaxi geprüft.
Der Essener Verkehrsausschuss hat der Einstellung nach eingehender Prüfung zugestimmt. «Wir müssen die begrenzten Ressourcen sinnvoll einsetzen und können uns Linien mit extremer Unterauslastung leider nicht mehr leisten», betont Ausschussmitglied Petra Müller.
Die eingesparten Mittel sollen nach Angaben der Ruhrbahn in die Verbesserung stark frequentierter Verbindungen fließen. Geplant sind unter anderem kürzere Taktzeiten auf zentralen Linien und Investitionen in umweltfreundlichere Fahrzeuge.
«Der öffentliche Nahverkehr steht vor großen Herausforderungen», erklärt Schmidt weiter. «Einerseits sollen wir die Verkehrswende voranbringen und mehr Menschen zum Umstieg vom Auto bewegen. Andererseits müssen wir mit begrenzten Mitteln haushalten.»
Die Entscheidung spiegelt einen bundesweiten Trend wider. Viele Verkehrsunternehmen überprüfen derzeit ihr Angebot auf Wirtschaftlichkeit. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob einzelne Linien rentabel sind, sondern auch um die Gesamtversorgung der Bevölkerung mit Mobilitätsangeboten.
Die betroffenen Anwohner wurden durch Aushänge an den Haltestellen und Informationen in den Fahrzeugen über die bevorstehende Einstellung informiert. Zusätzlich bietet die Ruhrbahn persönliche Beratungsgespräche an, um individuelle Alternativen aufzuzeigen.
Bürgerinitiativen kritisieren die Entscheidung. «Wieder einmal trifft es die Randbezirke», beklagt Thomas Weber von der Initiative «Mobilität für alle». «Gerade ältere Menschen ohne Auto sind auf diese Verbindungen angewiesen.»
Die Stadtplanung arbeitet parallel an Konzepten für neue Mobilitätsformen. «Wir müssen über klassische Buslinien hinausdenken», erläutert Stadtplanerin Sabine Fischer. «On-Demand-Angebote, Sharing-Modelle und digitale Vernetzung werden in Zukunft eine größere Rolle spielen.»
Für die nahe Zukunft bleibt die Herausforderung bestehen, mit knappen Ressourcen ein attraktives Nahverkehrsangebot zu schaffen. Die Ruhrbahn will durch regelmäßige Fahrgastbefragungen und Verkehrszählungen sicherstellen, dass das Angebot besser dem tatsächlichen Bedarf entspricht.
Die Einstellung der Linie ist Teil einer größeren Umstrukturierung des Essener Busnetzes, die in den kommenden Jahren schrittweise umgesetzt werden soll. Ziel ist ein übersichtlicheres, effizienteres Netz mit besserer Abstimmung zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln.