Die berühmte Eisbachwelle im Englischen Garten ist seit Mittwoch wieder verschwunden. Das Baureferat der Stadt München hat eine illegal errichtete Rampe entfernt, die von Unbekannten unter der Wasseroberfläche platziert worden war. Diese Konstruktion hatte die beliebte stehende Welle erzeugt, auf der Surfer seit Jahrzehnten ihre Künste zeigen.
Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate musste die Stadt eingreifen. Im Februar dieses Jahres wurde eine ähnliche nicht genehmigte Konstruktion entdeckt und beseitigt. Die Welle war damals für mehrere Wochen verschwunden, bis sie auf mysteriöse Weise zurückkehrte.
«Wir mussten die illegal installierte Rampe aus Sicherheitsgründen entfernen», erklärt Michael Schmidt vom Baureferat München. «Solche Einbauten im Eisbach ohne Genehmigung und fachgerechte Prüfung stellen ein erhebliches Risiko für alle Wassersportler dar.» Die Stadt betont, dass unautorisierte Eingriffe in Gewässer nicht nur gefährlich, sondern auch rechtswidrig sind.
Die Eisbachwelle ist seit den 1970er Jahren ein fester Bestandteil der Münchner Stadtkultur und hat sich zu einer internationalen Attraktion entwickelt. Täglich versammeln sich Touristen und Einheimische auf der Brücke an der Prinzregentenstraße, um den Surfern zuzusehen. Nach Schätzungen der Stadt nutzen mehr als 1000 Surfer regelmäßig die Welle.
Für die Münchner Surfgemeinde ist das erneute Verschwinden der Welle ein harter Schlag. «Das ist unser Wohnzimmer, unsere tägliche Freude», sagt Markus Weber, der seit über 15 Jahren auf der Eisbachwelle surft. «Wir verstehen die Sicherheitsbedenken, aber wir brauchen eine dauerhafte Lösung.»
Die Stadt München arbeitet nach eigenen Angaben an einem offiziellen Konzept für eine dauerhafte und sichere Welle. «Wir stehen im Dialog mit den Surfern und verschiedenen Fachbehörden», bestätigt Umweltreferentin Patricia Schmidt. «Unser Ziel ist es, eine rechtlich und technisch einwandfreie Lösung zu finden, die den Surfbetrieb langfristig ermöglicht.»
Das Verfahren gestaltet sich jedoch komplex. Die Eisbachwelle befindet sich in einem Landschaftsschutzgebiet, und jede bauliche Veränderung muss verschiedene Umwelt- und Sicherheitsauflagen erfüllen. Zusätzlich müssen Aspekte des Hochwasserschutzes berücksichtigt werden.
In der Zwischenzeit zeigen sich viele Surfer kreativ. Einige weichen auf die kleinere Welle am Flosslände aus, andere fahren zum Surfspot am Cosmos-Bad. «Es ist nicht dasselbe, aber besser als gar nicht zu surfen», meint Lisa Huber, eine regelmäßige Eisbach-Surferin.
Die Stadtvertreter warnen jedoch eindringlich davor, erneut eigenmächtig Konstruktionen im Eisbach zu installieren. «Das ist kein Kavaliersdelikt«, betont Schmidt vom Baureferat. «Wer ohne Genehmigung in Gewässer eingreift, muss mit empfindlichen Strafen rechnen.»
Die Münchner Surfgemeinde hofft nun auf eine schnelle offizielle Lösung. «Die Eisbachwelle gehört zu München wie das Rathaus und die Frauenkirche», sagt Weber. «Eine Stadt, die sich Weltstadt mit Herz nennt, sollte auch Herz für ihre Surfer haben.»
Die Stadtverwaltung verspricht, die Planungen für eine dauerhafte Lösung zu beschleunigen. Bis dahin bleibt der Eisbach an der bekannten Stelle flach – und die Bretter der Surfer vorübergehend trocken.