Vorsicht auf Straßen und Gehwegen: Eisregen überrascht Berlin und Brandenburg
Der Winter hat Berlin und Brandenburg noch einmal fest im Griff. Ein gefährlicher Wetterumschwung sorgt seit den frühen Morgenstunden für erhebliche Beeinträchtigungen im Verkehr und im öffentlichen Leben. Was als harmloser Schneefall begann, entwickelte sich schnell zu gefrierendem Regen, der Straßen und Gehwege in gefährliche Rutschbahnen verwandelt.
In weiten Teilen beider Bundesländer herrscht akute Glättegefahr. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat eine amtliche Warnung vor Glatteis herausgegeben, die bis zum späten Nachmittag gilt. Besonders betroffen sind die westlichen Regionen Brandenburgs sowie das gesamte Berliner Stadtgebiet, wo der Eisregen in den frühen Morgenstunden einsetzte.
«Diese Wetterlage ist tückisch, weil der Übergang von Schnee zu gefrierendem Regen so schnell erfolgte», erklärt Meteorologin Stefanie Koch vom DWD. «Viele Menschen wurden davon überrascht, als sie bereits unterwegs waren.»
Erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen
Auf den Straßen kam es seit dem Morgen zu zahlreichen Unfällen. Allein in Berlin registrierte die Polizei bis zum Mittag über 40 witterungsbedingte Verkehrsunfälle, meist mit Blechschäden. Die Autobahnpolizei meldete besonders auf der A10, dem Berliner Ring, und der A24 Richtung Hamburg mehrere Rutschunfälle.
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mussten mehrere Buslinien einstellen oder umleiten, da einige Nebenstraßen nicht mehr befahrbar waren. Der S-Bahn-Verkehr läuft zwar weitgehend, aber mit erheblichen Verspätungen. Am Flughafen BER wurden mehrere Flüge gestrichen oder verspäten sich erheblich, da die Start- und Landebahnen wiederholt geräumt werden müssen.
Krankenhäuser in beiden Bundesländern verzeichnen einen deutlichen Anstieg von Patienten mit sturzbedingten Verletzungen. «Wir haben heute schon 15 Patienten mit Knochenbrüchen behandelt – alle durch Stürze auf glatten Gehwegen», berichtet Dr. Carola Weber von der Notaufnahme des Vivantes Klinikums in Berlin-Neukölln.
Schulen und öffentliches Leben betroffen
In mehreren Landkreisen Brandenburgs fiel der Schulunterricht komplett aus. In Berlin wurde den Eltern freigestellt, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Viele Schulen meldeten trotzdem einen geregelten Unterrichtsbetrieb, wenn auch mit deutlich reduzierter Schülerzahl.
Auch auf den Wochenmärkten blieben viele Stände leer. «Es war einfach zu gefährlich, die Waren zu transportieren», erklärt Markthändler Thomas Schulz vom Wochenmarkt am Kollwitzplatz. «Und Kunden sind bei diesem Wetter ohnehin kaum unterwegs.»
Die Berliner Stadtreinigung (BSR) und Winterdienste in Brandenburg arbeiten seit den frühen Morgenstunden auf Hochtouren. «Wir konzentrieren uns auf die Hauptverkehrsstraßen und wichtige Knotenpunkte», sagt BSR-Sprecher Marcus Klein. «Alle verfügbaren Fahrzeuge und Mitarbeiter sind im Einsatz.» Dennoch könne man nicht alle Straßen und Gehwege gleichzeitig räumen und streuen.
Temperaturen bleiben kritisch
Besonders problematisch: Die Temperaturen liegen in beiden Bundesländern knapp unter dem Gefrierpunkt. «Das ist die kritischste Konstellation», erklärt Meteorologe Frank Werner. «Bei diesen Temperaturen gefriert der Regen sofort beim Auftreffen auf den kalten Boden.»
Laut Wetterprognose soll der gefrierende Regen am späten Nachmittag in normalen Regen übergehen, wenn die Temperaturen leicht ansteigen. Für die Nacht zum Freitag werden Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt erwartet, was die Glättegefahr verringern sollte.
Tipps für Bürgerinnen und Bürger
Die Feuerwehr und Polizei beider Länder bitten die Bevölkerung, wenn möglich zu Hause zu bleiben oder äußerste Vorsicht walten zu lassen. «Vermeiden Sie unnötige Wege», rät Feuerwehrsprecher Karsten Göwecke. «Falls Sie unbedingt raus müssen, tragen Sie festes Schuhwerk und gehen Sie langsam mit kleinen Schritten.»
Autofahrer werden aufgefordert, nur mit Winterreifen zu fahren, ausreichend Abstand zu halten und besonders vorsichtig zu bremsen. Die Verkehrsleitstelle empfiehlt, wenn möglich auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen – trotz der dortigen Einschränkungen.
Für Hausbesitzer und Mieter gilt die Räum- und Streupflicht weiterhin. Experten raten zu Splitt statt Salz, da dies umweltfreundlicher ist und bei den aktuellen Temperaturen besser wirkt.
Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat eine Hotline für ältere und hilfsbedürftige Menschen eingerichtet, die Unterstützung beim Einkaufen oder anderen notwendigen Wegen benötigen.
Meteorologen erwarten eine Entspannung der Lage erst zum Wochenende hin. Ab Samstag sollen die Temperaturen deutlich ansteigen, mit Tageshöchstwerten von bis zu 8 Grad. Bis dahin gilt jedoch: Vorsicht auf Berlins und Brandenburgs Straßen und Gehwegen.