Nach Verkehrschaos: Berlin wappnet sich für erneuten Eisregen
Die vergangene Woche hat Berlin kalt erwischt. Der überraschende Eisregen legte weite Teile des öffentlichen Nahverkehrs lahm und verwandelte Straßen und Gehwege in gefährliche Rutschbahnen. Besonders betroffen waren die Straßenbahnen der BVG, die teilweise komplett stillstanden. Nach dieser Erfahrung bereiten sich die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Stadtreinigung (BSR) nun intensiv auf den nächsten angekündigten Wintereinbruch vor.
«Wir haben unsere Einsatzpläne nach den Erfahrungen der letzten Woche überarbeitet», erklärt BVG-Sprecherin Martina Weber. «Unser Ziel ist es, diesmal besser vorbereitet zu sein und den Betrieb so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.»
Lehren aus dem Verkehrschaos
Als am vergangenen Mittwoch der Eisregen einsetzte, musste die BVG innerhalb weniger Stunden den Straßenbahnverkehr auf mehreren Linien einstellen. Vereiste Oberleitungen und glatte Schienen machten einen sicheren Betrieb unmöglich. Tausende Pendler standen vor geschlossenen Haltestellen oder saßen in steckengebliebenen Bahnen fest.
Laut Wetterdienst könnte Berlin bereits am kommenden Wochenende erneut von Eisregen betroffen sein. Die Temperaturen sollen auf unter null Grad fallen, bei gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit – ideale Bedingungen für gefährliche Glätte.
BVG verstärkt Winterdienst
Die BVG hat nun zusätzliche Maßnahmen ergriffen:
«Wir haben unsere Einsatzfahrzeuge mit speziellen Enteisungsmitteln für die Oberleitungen ausgestattet», sagt Weber. «Außerdem werden wir präventiv kritische Streckenabschnitte behandeln, bevor der Eisregen einsetzt.»
Zusätzlich werden mehr Mitarbeiter in Bereitschaft stehen. An wichtigen Knotenpunkten sollen Teams positioniert werden, um schnell eingreifen zu können. Die Fahrgastinformation soll ebenfalls verbessert werden, nachdem es beim letzten Mal viel Kritik an der mangelhaften Kommunikation gab.
BSR mit Großaufgebot gegen Glatteis
Auch die Berliner Stadtreinigung rüstet auf. «Wir werden mit rund 500 Mitarbeitern und 140 Fahrzeugen im Einsatz sein», erklärt BSR-Sprecher Thomas Müller. «Der Fokus liegt auf den Hauptverkehrsstraßen und wichtigen Knotenpunkten, aber auch Gehwege an öffentlichen Einrichtungen haben Priorität.»
Die BSR setzt dabei auf eine Mischung aus Streusalz und umweltfreundlicheren Alternativen. In Grünanlagen und an Bäumen wird auf salzfreie Streumittel zurückgegriffen. Dennoch bereitet man sich auf einen Großeinsatz vor: Die Lager sind mit über 5.000 Tonnen Streumaterial gefüllt.
Bezirke in der Pflicht
Die Verantwortung für sichere Wege endet nicht bei BVG und BSR. «Die Bezirke müssen ihren Teil beitragen», betont Verkehrssenatorin Julia Schmitt. «Insbesondere bei der Räumung von Nebenstraßen und Gehwegen vor öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Kitas.»
Nach dem letzten Wintereinbruch hatten mehrere Bezirke zugegeben, nicht ausreichend vorbereitet gewesen zu sein. Personalmangel und knappe Budgets wurden als Gründe genannt. Die Senatorin kündigte an, die Zusammenarbeit zwischen Senat, Bezirken und den Versorgungsunternehmen zu verbessern.
Was Bürger tun können
Die Behörden rufen auch die Berliner selbst zum Handeln auf. «Hauseigentümer sind verpflichtet, Gehwege vor ihren Grundstücken zu räumen», erinnert Müller von der BSR. «Das gilt von 7 bis 20 Uhr, an Wochenenden ab 9 Uhr.»
Für Mieter ist wichtig zu wissen: In den meisten Mietverträgen ist die Winterdienstpflicht an die Mieter übertragen. Wer unsicher ist, sollte in seinen Unterlagen nachschauen oder die Hausverwaltung kontaktieren.
Die Feuerwehr empfiehlt zudem:
- Unnötige Wege vermeiden
- Festes Schuhwerk mit Profil tragen
- Mehr Zeit für Wege einplanen
- Bei Glätte langsam gehen und kleine Schritte machen
Klimawandel bringt extremere Wetterereignisse
Experten sehen in den zunehmenden Wetterextremen auch Folgen des Klimawandels. «Paradoxerweise führt die globale Erwärmung regional zu mehr Extremwetterereignissen – auch zu plötzlichen Kälteeinbrüchen und Eisregen», erklärt Klimaforscher Prof. Dr. Martin Schneider von der Humboldt-Universität.
Für Städte wie Berlin bedeutet das: Sie müssen sich auf unberechenbarere Wetterlagen einstellen und ihre Infrastruktur anpassen. «Was früher als hundertjähriges Ereignis galt, kann heute alle paar Jahre auftreten», so Schneider.
Digitale Helfer bei Eisglätte
Die Stadt entwickelt derzeit auch digitale Lösungen. Eine neue Funktion in der Berlin-App soll künftig in Echtzeit über geräumte Straßen und Störungen im Nahverkehr informieren. Bürger können dort auch gefährliche Stellen melden.
«Wir setzen auf die Zusammenarbeit mit den Berlinern», sagt Digital-Staatssekretär Marcus Kleinhenz. «Die Informationen der App helfen sowohl den Einsatzkräften als auch anderen Bürgern, sicher durch die Stadt zu kommen.»
Ob all diese Maßnahmen ausreichen werden, wenn der nächste Eisregen kommt, bleibt abzuwarten. Die Verantwortlichen betonen, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Die Berliner selbst bleiben skeptisch – aber zumindest besser vorbereitet.