Die winterlichen Bedingungen haben Berlin fest im Griff. Nach dem gestrigen Eisregen verzeichnete die Berliner Polizei eine deutliche Zunahme an Verkehrsunfällen im gesamten Stadtgebiet. Bis zum späten Nachmittag wurden bereits 179 Unfälle registriert – ein erheblicher Anstieg gegenüber normalen Tagen.
«So eine Häufung von Unfällen erleben wir nur bei extremen Wetterbedingungen», erklärt Polizeioberkommissarin Janina Weber. «Die Kombination aus gefrierendem Regen und niedrigen Temperaturen hat viele Straßen in gefährliche Rutschbahnen verwandelt.»
Besonders betroffen waren die Außenbezirke wie Spandau, Reinickendorf und Marzahn-Hellersdorf, wo die Straßenräumdienste nicht überall rechtzeitig für sichere Fahrbahnen sorgen konnten. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) war mit allen verfügbaren Fahrzeugen im Dauereinsatz.
Am Flughafen BER kam der Betrieb zeitweise komplett zum Erliegen. Rund 170 Flüge mussten gestern gestrichen werden, da die Start- und Landebahnen trotz intensiver Räumarbeiten nicht ausreichend von Eis befreit werden konnten. «Die Sicherheit unserer Passagiere geht vor», betont BER-Sprecherin Sabine Lehmann. «Bei solchen Wetterbedingungen können wir keinen regulären Betrieb gewährleisten.»
Inzwischen hat sich die Lage am Flughafen etwas entspannt. Seit den frühen Morgenstunden starten wieder Flugzeuge, allerdings kommt es weiterhin zu erheblichen Verspätungen und einzelnen Ausfällen. Reisende werden gebeten, sich vor der Anreise zum Flughafen über den Status ihres Fluges zu informieren.
Der öffentliche Nahverkehr war ebenfalls stark beeinträchtigt. Die BVG meldete Ausfälle und Verspätungen auf zahlreichen Bus- und Straßenbahnlinien. Besonders die Buslinien in den höher gelegenen Stadtgebieten wie am Kreuzberg oder in Teilen von Steglitz-Zehlendorf mussten teilweise komplett eingestellt werden.
«Unsere Fahrer haben alles gegeben, aber bei spiegelglatten Straßen konnten wir die Sicherheit nicht mehr garantieren», sagt BVG-Sprecher Klaus Wortmann. Die U-Bahnen fuhren weitgehend planmäßig, allerdings mit reduzierten Geschwindigkeiten.
Für Fußgänger gestaltete sich der Weg durch die Stadt besonders schwierig. In den Notaufnahmen der Berliner Krankenhäuser wurden deutlich mehr Patienten mit Knochenbrüchen und Prellungen behandelt als üblich.
«Wir hatten etwa dreimal so viele Patienten mit sturzbedingten Verletzungen wie an normalen Tagen», berichtet Dr. Michaela Schröder von der Charité. «Vor allem ältere Menschen waren betroffen. Wir empfehlen weiterhin, wenn möglich zu Hause zu bleiben oder besondere Vorsicht walten zu lassen.»
Die Wetterdienste prognostizieren eine langsame Entspannung der Lage im Laufe des Tages. Die Temperaturen sollen leicht ansteigen, was das Eis zum Schmelzen bringen dürfte. Dennoch warnt die Polizei vor anhaltender Glätte, besonders in den frühen Morgenstunden und an schattigen Stellen.
Obwohl die Hauptstraßen inzwischen größtenteils geräumt sind, bleibt die Situation auf Nebenstraßen und Gehwegen vielerorts kritisch. Die BSR konzentriert ihre Kräfte weiterhin auf die Hauptverkehrsadern und wichtige Knotenpunkte.
«Wir arbeiten rund um die Uhr, aber wir können nicht überall gleichzeitig sein», erklärt BSR-Einsatzleiter Thomas Schmidt. «Unsere Priorität liegt auf den Hauptverkehrsstraßen und wichtigen öffentlichen Plätzen. Wir bitten die Berliner um Verständnis und vor allem um Vorsicht.»
Die Feuerwehr verzeichnete neben den Unfällen auch vermehrt Einsätze wegen herabfallender Eiszapfen und abgebrochener Äste. «Achten Sie beim Gehen auch auf Gefahren von oben», warnt ein Feuerwehrsprecher. «Das Eis an Dachrinnen und Bäumen kann bei steigenden Temperaturen plötzlich herunterfallen.»
Für die kommenden Tage rechnen die Meteorologen mit einer schrittweisen Normalisierung der Wetterlage. Bis dahin empfehlen die Behörden allen Berlinern, unnötige Wege zu vermeiden und bei unvermeidbaren Fahrten oder Gängen besondere Vorsicht walten zu lassen.