Der Tag beginnt für Bahnpendler zwischen Hamburg und Berlin mit bekannten Ritualen: Umsteigen, warten, hoffen. Seit Dezember läuft die Generalsanierung der Strecke, und die Geduld wird täglich auf die Probe gestellt. Die versprochene Reisezeit von drei Stunden bleibt oft ein Wunschtraum. Tatsächlich brauchen viele Reisende deutlich länger.
Der Ersatzverkehr funktioniert grundsätzlich, aber mit deutlichen Schwächen. Besonders die Anschlüsse zwischen Bussen und Zügen bereiten Probleme. «Wir arbeiten kontinuierlich an Verbesserungen der Situation«, erklärt Bahnsprecherin Anja Schmidt. Die Bahn habe bereits zusätzliche Busse eingesetzt und Fahrpläne angepasst. Dennoch bleibt die Lage angespannt. Gestern stand ich selbst am Hamburger Hauptbahnhof, als ein Ersatzbus mit 20 Minuten Verspätung ankam. Die Anschlussreisenden rannten verzweifelt zu ihren Zügen.
Die Auswirkungen für Berufspendler sind massiv. Viele haben ihre Arbeitsmodelle angepasst oder sind temporär umgezogen. Homeoffice erlebt einen neuen Boom. «Ich fahre nur noch einmal pro Woche ins Büro», erzählt Marketingmanagerin Julia Berger. Die aktuelle Situation zeigt eindrücklich, wie abhängig unsere mobile Gesellschaft von funktionierender Infrastruktur ist.
Die Sanierung soll bis Dezember 2024 dauern. Bis dahin bleibt der Ersatzverkehr ein täglicher Balanceakt zwischen Notwendigkeit und Nervenprobe. Was bleibt, ist die Hoffnung auf pünktlichere Züge nach Abschluss der Arbeiten. Ob sich die Geduldsprobe lohnt, wird sich zeigen.