In Reinickendorf hat ein gefährlicher Vorfall Anwohner und Behörden aufgeschreckt. Am vergangenen Dienstagabend wurde ein Fahrrad vom Dach eines Hochhauses geworfen. Das Rad stürzte etwa 15 Stockwerke in die Tiefe und schlug auf dem Gehweg auf. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, doch die Polizei nimmt den Vorfall äußerst ernst.
«So etwas ist kein Streich, sondern eine potenziell tödliche Handlung», erklärt Polizeihauptkommissar Michael Weber. «Wer Gegenstände aus dieser Höhe wirft, nimmt bewusst in Kauf, dass Menschen schwer verletzt oder sogar getötet werden können.»
Der Vorfall ereignete sich gegen 21:30 Uhr in der Zobeltitzstraße im Märkischen Viertel. Anwohner berichten, dass sie einen lauten Knall hörten und beim Nachschauen das völlig zerstörte Fahrrad vorfanden. Sofort alarmierten sie die Polizei, die umgehend eine Untersuchung einleitete.
«Ich habe mit meinem Hund gerade eine Abendrunde gedreht und war nur wenige Minuten vorher an genau dieser Stelle», berichtet die erschütterte Anwohnerin Sabine Müller. «Der Gedanke, dass das Fahrrad mich oder meinen Hund hätte treffen können, macht mir wirklich Angst.»
Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf die oberen Etagen und das Dach des Hochhauses. Die Polizei hat bereits mehrere Bewohner befragt und sucht dringend nach Zeugen. Besonders wichtig sind Hinweise zu verdächtigen Personen, die sich in den Abendstunden Zugang zum Dach verschafft haben könnten.
Das Märkische Viertel ist für seine zahlreichen Hochhäuser bekannt. Die Wohnungsbaugesellschaft, der das Gebäude gehört, hat nach dem Vorfall angekündigt, die Sicherheitsmaßnahmen für den Dachzugang zu verstärken. «Wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst und werden alles tun, um solche gefährlichen Vorfälle in Zukunft zu verhindern», betont Sprecher Thomas Kraft.
Rechtlich gesehen handelt es sich bei einem solchen Wurf um einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und versuchte gefährliche Körperverletzung. Bei einer Überführung drohen den Tätern mehrjährige Haftstrafen.
«In den vergangenen Jahren haben wir in Berlin leider mehrfach solche gefährlichen Würfe von Hochhäusern erlebt», erklärt Kriminalhauptkommissarin Jana Lehmann. «In einigen Fällen wurden Menschen schwer verletzt. Wir appellieren daher an alle, die etwas beobachtet haben, sich bei uns zu melden.»
Die Polizei bittet Zeugen, die am Dienstagabend zwischen 21:00 und 22:00 Uhr verdächtige Personen im oder am Hochhaus in der Zobeltitzstraße gesehen haben, sich unter der Telefonnummer 030-4664-172300 zu melden. Auch anonyme Hinweise werden entgegengenommen.
Anwohner des Märkischen Viertels reagieren besorgt auf den Vorfall. «Ich habe Kinder und wir gehen oft an den Hochhäusern entlang», sagt der 42-jährige Familienvater Marco Schmidt. «Man denkt gar nicht daran, dass von oben Gefahr drohen könnte. Jetzt werden wir vorsichtiger sein.»
Die Polizei hat ihre Präsenz in dem Gebiet vorübergehend verstärkt und führt Gespräche mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Umgebung. Auch Sozialarbeiter wurden eingeschaltet, um präventiv auf die Gefahren solcher «Mutproben» hinzuweisen.