Kölner fordern mehr Platz für Radfahrer auf der Mülheimer Brücke
Am vergangenen Samstag verwandelte sich die Mülheimer Brücke in eine bunte Versammlung von Fahrradfahrern aller Altersgruppen. Über 300 Radfahrer demonstrierten für eine sichere und breitere Radspur auf der wichtigen Rheinquerung. Bei strahlendem Sonnenschein radelten sie gemeinsam über die Brücke, um ein Zeichen zu setzen.
«Unsere Forderung ist klar: Wir brauchen eine sichere Radverbindung über den Rhein», erklärte Lisa Müller vom Fahrradverein Köln. «Die aktuelle Situation auf der Mülheimer Brücke ist für Radfahrer gefährlich und nicht mehr zeitgemäß.»
Die Mülheimer Brücke verbindet die rechtsrheinischen Stadtteile Mülheim und Stammheim mit dem linksrheinischen Riehl. Täglich überqueren tausende Pendler mit dem Fahrrad die Brücke. Der aktuelle Radweg ist jedoch nur 1,5 Meter breit – zu schmal für den wachsenden Radverkehr.
Gefahrenstelle seit Jahren bekannt
«Ich fahre jeden Tag über diese Brücke zur Arbeit und fühle mich oft unsicher», berichtete Thomas Weber, ein 42-jähriger Teilnehmer. «Besonders wenn Lastwagen vorbeifahren, wird es richtig eng.» Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen, wenn Radfahrer sich gegenseitig überholen oder dem Gegenverkehr ausweichen müssen.
Laut Verkehrsstatistik der Stadt Köln hat die Zahl der Radfahrer auf der Brücke in den letzten fünf Jahren um 40 Prozent zugenommen. Die Infrastruktur wurde jedoch nicht angepasst.
«Während andere Städte wie Münster oder Kopenhagen längst breite Fahrradwege auf ihren Brücken eingerichtet haben, hinkt Köln hinterher», kritisierte Martin Schmidt von der Initiative Radkomfort Köln. «Wir wollen keine Luxuslösung, sondern einfach nur sichere Wege für alle.»
Stadt verweist auf Planungen
Die Stadt Köln reagiert zurückhaltend auf die Forderungen. «Wir nehmen die Anliegen der Radfahrer ernst», sagte Verkehrsdezernentin Johanna Klaes. «Allerdings müssen wir bei der Neuplanung des Verkehrsraums alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigen.»
Im aktuellen Verkehrskonzept ist eine Erweiterung der Radspur auf der Mülheimer Brücke erst für 2025 vorgesehen. Zu spät, finden die Demonstranten.
«Die Klimakrise wartet nicht, und immer mehr Menschen steigen aufs Rad um», betonte Umweltaktivistin Sandra Peters. «Wir brauchen jetzt Lösungen, nicht erst in drei Jahren.»
Breiter Rückhalt in der Bevölkerung
Die Demonstration erhielt viel Zuspruch – auch von Passanten und Autofahrern. Eine Umfrage der Universität Köln aus dem letzten Jahr zeigt, dass 68 Prozent der Kölner Bevölkerung den Ausbau von Radwegen befürworten.
«Ich fahre selbst Auto, aber ich verstehe die Radfahrer», sagte Michael Becker, der die Demonstration beobachtete. «Alle wollen sicher ankommen, egal mit welchem Verkehrsmittel.»
Besonders viele Familien mit Kindern nahmen an der Fahrraddemo teil. Für Peter und Sabine Hoffmann, die mit ihren beiden Kindern (7 und 9 Jahre) dabei waren, geht es um die Zukunft: «Wir wollen, dass unsere Kinder später selbstständig und sicher mit dem Rad fahren können. Dafür braucht es sichere Infrastruktur.»
Wie geht es weiter?
Die Organisatoren der Demonstration kündigten weitere Aktionen an, sollte die Stadt nicht zeitnah reagieren. «Wir bleiben dran», versprach Lisa Müller. «Die heutige Teilnehmerzahl zeigt, dass wir nicht allein sind mit unseren Forderungen.»
Der Verkehrsausschuss der Stadt will das Thema in seiner nächsten Sitzung am 15. Mai behandeln. Die Radfahrverbände haben dazu eine Petition mit über 5.000 Unterschriften eingereicht.
Bis dahin bleibt die Mülheimer Brücke ein täglicher Balanceakt für Kölns Radfahrer. «Wir wollen keine Konfrontation zwischen Rad- und Autofahrern», betonte Organisator Paul Schneider zum Abschluss der Demonstration. «Wir wollen einfach nur sicher von A nach B kommen – wie alle anderen auch.»