Die Faschingssaison 2026 wirft ihre bunten Schatten voraus. In zahlreichen hessischen Städten laufen bereits die Vorbereitungen für die traditionellen Umzüge auf Hochtouren. Von Frankfurt über Wiesbaden bis nach Fulda – überall werden Wagen gebaut, Kostüme genäht und Tanzeinlagen einstudiert.
In Frankfurt rechnen die Veranstalter mit rund 300.000 Besuchern beim traditionellen «Frankfurter Fastnachtsumzug», der am Faschingssonntag durch die Innenstadt zieht. «Wir haben für 2026 ein besonderes Konzept entwickelt, das die kulturelle Vielfalt unserer Stadt widerspiegelt», erklärt Karnevalspräsident Michael Weber. Etwa 150 Zugnummern werden erwartet – darunter Prunkwagen, Fußgruppen und Musikkapellen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet.
Die Mainmetropole investiert rund 200.000 Euro in die Sicherheit der Veranstaltung. «Die Zusammenarbeit mit den Behörden funktioniert hervorragend», betont Weber. «Wir haben ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept erarbeitet, das allen Besuchern ein sorgenfreies Feiern ermöglichen soll.»
In Wiesbaden steht der traditionelle «Fastnachtsumzug am Sonntag» ganz im Zeichen des 200-jährigen Jubiläums der organisierten Fastnacht in der Landeshauptstadt. «Wir blicken auf eine lange Geschichte zurück und möchten diese mit einem besonders prächtigen Umzug feiern», sagt Martina Schmitt vom Wiesbadener Carneval-Verein. Mit etwa 120 Zugnummern und geschätzten 250.000 Zuschauern gehört der Wiesbadener Umzug zu den größten in Hessen.
Auch Fulda bereitet sich auf ein närrisches Highlight vor. Der «Rosenmontagszug» lockt jährlich bis zu 80.000 Menschen in die Barockstadt. «Unser Motto für 2026 lautet ‹Fuldaer Fasching – Tradition trifft Moderne›«, verrät Johannes Heil vom Fuldaer Carneval Verein. Besonders stolz ist man in Fulda auf die starke Beteiligung der Jugend. «Mehr als 30 Prozent unserer Aktiven sind unter 25 Jahre alt. Das zeigt, dass der Fasching auch bei der jungen Generation ankommt», freut sich Heil.
Die kleineren Städte stehen den großen in nichts nach. In Seligenstadt, Dieburg und Fritzlar werden ebenfalls tausende Narren erwartet. «Gerade in den kleineren Städten spürt man oft den besonderen Zusammenhalt der Karnevalsvereine», beobachtet die Kulturwissenschaftlerin Dr. Claudia Becker von der Universität Marburg. «Hier kennt noch jeder jeden, und die gesamte Stadtgemeinschaft ist in die Vorbereitungen eingebunden.»
Für Familien mit Kindern bieten vor allem die Umzüge in Hanau, Marburg und Gießen ein altersgerechtes Programm. «Wir haben spezielle Familienbereiche eingerichtet, in denen es etwas ruhiger zugeht und die Kleinen sicher feiern können», erklärt Petra Müller vom Hanauer Carneval-Verein.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Fastnachtsumzüge für die Städte ist nicht zu unterschätzen. Gastronomen, Hoteliers und der Einzelhandel profitieren von den zahlreichen Besuchern. «Ein Großereignis wie der Frankfurter Fastnachtsumzug bringt der lokalen Wirtschaft einen Umsatz von mehreren Millionen Euro«, schätzt Frank Lehmann von der IHK Frankfurt.
Der Klimaschutz spielt bei den Vorbereitungen eine immer wichtigere Rolle. «Wir achten verstärkt auf Nachhaltigkeit», betont Thomas Becker vom Umzugskomitee in Darmstadt. «Viele Vereine verwenden wiederverwendbare Materialien für ihre Wagen und verzichten auf umweltschädliche Substanzen bei der Dekoration.»
Die Narren müssen sich allerdings auf höhere Preise einstellen. Die Kosten für Sicherheit, Infrastruktur und Genehmigungen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. «Wir sind auf Sponsoren und Spenden angewiesen, um die Tradition am Leben zu erhalten», erklärt Weber aus Frankfurt. Dennoch bleiben die meisten Umzüge für Besucher kostenlos zugänglich.
Das Brauchtum der Fastnachtsumzüge hat in Hessen eine jahrhundertelange Geschichte. «Die erste urkundliche Erwähnung eines Fastnachtsumzugs in Frankfurt stammt aus dem Jahr 1352«, weiß Heimatforscher Klaus Müller. In Fulda reichen die Traditionen bis ins 16. Jahrhundert zurück.
Die Vorbereitungen für 2026 laufen bereits auf Hochtouren. In vielen Vereinsheimen wird gehämmert, gesägt und gemalt. «Die Arbeit an den Wagen beginnt oft schon ein Jahr vor dem eigentlichen Umzug», erklärt Schmitt aus Wiesbaden. «Es steckt unglaublich viel ehrenamtliches Engagement dahinter.»
Wer einen Umzug besuchen möchte, sollte frühzeitig planen. Die Termine für die großen Umzüge 2026 stehen bereits fest: Frankfurt feiert am Faschingssonntag, Wiesbaden ebenfalls am Sonntag, und Fulda traditionell am Rosenmontag. In vielen Städten gibt es zusätzlich kleinere Umzüge, etwa für Kinder oder in einzelnen Stadtteilen.
Die Fastnacht in Hessen – ein farbenfrohes Spektakel, das Menschen jeden Alters zusammenbringt und für ein paar Tage den grauen Alltag vergessen lässt. «Fasching ist mehr als nur Feiern«, resümiert Kulturwissenschaftlerin Becker. «Es ist gelebtes Brauchtum, das Gemeinschaft stiftet und regionale Identität bewahrt.»