Nach einer turbulenten Nacht hat der Hauptstadtflughafen BER am frühen Freitagmorgen seinen Betrieb wieder aufgenommen. Der Eisregen, der gestern Abend für spiegelglatte Bedingungen auf Start- und Landebahnen sorgte, hatte zu einer vollständigen Einstellung des Flugverkehrs geführt.
«Wir mussten den Flugbetrieb aus Sicherheitsgründen komplett einstellen», erklärt Flughafensprecherin Anna Weber. «Die Räumfahrzeuge kamen mit dem ständigen Eisregen nicht nach.» Etwa 3.500 Passagiere waren von den Flugausfällen betroffen und mussten teilweise die Nacht am Flughafen verbringen.
Die Berliner Verkehrsbetriebe stellten Busse zur Verfügung, in denen einige Reisende übernachten konnten. Andere harrten in den Terminals aus, wo das Flughafenpersonal Feldbetten aufstellte und Decken verteilte. «Es war eine herausfordernde Situation für alle Beteiligten, aber wir haben versucht, die Unannehmlichkeiten so gering wie möglich zu halten», so Weber.
Die Winterdienstteams arbeiteten die ganze Nacht durch, um die vereisten Flächen zu räumen. Mit Spezialfahrzeugen und Enteisungsmitteln gelang es schließlich, die Betriebssicherheit wiederherzustellen. Seit 6 Uhr morgens können Flugzeuge wieder starten und landen.
Der Deutsche Wetterdienst hatte bereits am Donnerstagnachmittag vor extremer Glätte in Berlin und Brandenburg gewarnt. Der plötzliche Temperatursturz ließ den Regen auf den kalten Bodenflächen sofort gefrieren und bildete eine gefährliche Eisschicht.
Für viele Reisende bedeutet die Wiederaufnahme des Flugbetriebs jedoch noch nicht das Ende der Probleme. «Wir rechnen heute mit erheblichen Verzögerungen im Flugplan», betont Flughafensprecherin Weber. «Passagiere sollten unbedingt vor der Anreise zum Flughafen den Status ihres Fluges überprüfen.»
Die Fluggesellschaften arbeiten mit Hochdruck daran, ausgefallene Flüge nachzuholen und umzubuchen. Lufthansa und Eurowings haben bereits angekündigt, zusätzliche Verbindungen einzurichten, um den Rückstau zu bewältigen.
Auch auf den Straßen in Berlin und Umgebung bleibt die Lage angespannt. Die Polizei verzeichnete in der Nacht über 120 glättebedingte Unfälle, glücklicherweise meist mit Blechschäden. Die Verkehrsbetriebe melden weiterhin Einschränkungen im Bus- und Straßenbahnverkehr.
Die Berliner Stadtreinigung ist seit den frühen Morgenstunden im Dauereinsatz. «Unsere Priorität liegt auf den Hauptverkehrsstraßen und wichtigen Verbindungswegen», erklärt Einsatzleiter Michael Schmidt. «Wir bitten alle Verkehrsteilnehmer um besondere Vorsicht, vor allem auf Nebenstraßen und Gehwegen.»
Meteorologen erwarten für den Nachmittag steigende Temperaturen, was die Situation entspannen sollte. Bis dahin empfehlen Experten, nicht notwendige Wege zu verschieben und im Straßenverkehr besonders umsichtig zu sein.
Das Glatteis-Chaos am BER reiht sich in eine Serie von Winterwetter-Herausforderungen ein, die deutsche Flughäfen in den vergangenen Wochen bewältigen mussten. Erst vor zwei Wochen hatte starker Schneefall in München zu erheblichen Einschränkungen geführt.