In Frankfurt-Heddernheim erwacht wieder das närrische Leben. Der Stadtteil, liebevoll «Klaa Paris» genannt, bereitet sich auf seinen traditionellen Fastnachtsumzug vor, der zu den ältesten und beliebtesten im Rhein-Main-Gebiet zählt. Die Vorfreude ist nach den pandemiebedingten Einschränkungen der vergangenen Jahre besonders groß.
«Die Menschen sehnen sich nach Gemeinschaft und Frohsinn», erklärt Petra Müller vom Fastnachtsverein Heddernheim. «Unser Umzug hat eine besondere Bedeutung für den Zusammenhalt im Viertel.» Tatsächlich reicht die Tradition bis ins Jahr 1839 zurück, als der erste dokumentierte Fastnachtsumzug durch die Straßen des damals noch eigenständigen Dorfes zog.
Am kommenden Sonntag werden wieder über 50 Zugnummern erwartet – darunter prächtige Motivwagen, Fußgruppen in fantasievollen Kostümen und mehrere Musikkapellen. Die Route führt wie gewohnt vom Startpunkt an der Heddernheimer Landstraße durch die geschmückten Straßen des Viertels.
Besonders freut sich der Vereinsvorstand über die rege Beteiligung der lokalen Schulen und Kindergärten. «Die Kinder haben wochenlang gebastelt und geprobt», berichtet Schulleiterin Barbara Schmidt von der Grundschule Heddernheim. «Für viele ist es der erste richtige Fastnachtsumzug, den sie erleben dürfen.»
Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. In Werkstätten und Garagen entstehen kunstvolle Wagen, während Schneiderinnen und Schneider an den letzten Details der Kostüme arbeiten. Der Aufwand ist enorm, aber die Begeisterung überwiegt. «Das ganze Jahr freuen wir uns auf diese Tage», sagt Michael Weber, der seit über 30 Jahren als «Klaa Pariser Babbsack» im Umzug mitläuft.
Die Stadtverwaltung unterstützt das Ereignis mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen. «Wir wollen, dass alle sicher feiern können», betont Ordnungsstadträtin Annette Klein. Entlang der Strecke werden Absperrungen errichtet und mehr Ordnungskräfte als in früheren Jahren eingesetzt.
Wirtschaftlich bedeutet der Umzug einen wichtigen Impuls für die lokalen Geschäfte und Gastronomie. «An den närrischen Tagen machen wir den Umsatz von sonst zwei Wochen», freut sich Bäckermeister Thomas Schmitt, der extra «Klaa Pariser Kräppel» in sein Sortiment aufgenommen hat.
Das Besondere am Heddernheimer Umzug ist sein lokaler Charakter. Während der Frankfurter Innenstadtumzug vor allem Touristen anzieht, feiern in Klaa Paris die Einheimischen unter sich. «Man kennt sich, grüßt sich, feiert zusammen», beschreibt Ortsvorsteherin Gerlinde Meyer die familiäre Atmosphäre.
Auch die lokale Politik lässt sich das Spektakel nicht entgehen. Traditionell fahren Vertreter aller Fraktionen auf einem gemeinsamen Wagen mit und zeigen, dass in der närrischen Zeit Parteigrenzen überwunden werden können.
Der Wetterbericht verspricht milde Temperaturen und nur leichten Nieselregen – ideale Bedingungen für die erwarteten 20.000 Zuschauer. «Selbst wenn es regnet, die Heddernheimer lassen sich ihre Fastnacht nicht vermiesen», schmunzelt der Vereinsvorsitzende Klaus Müller.
Nach dem Umzug geht das närrische Treiben in den Lokalen und auf den Plätzen des Stadtteils weiter. Besonders beliebt ist der Marktplatz, wo ein Festzelt aufgebaut wird und bis in die Abendstunden gefeiert wird.
Für Familien mit Kindern empfiehlt sich der frühe Nachmittag, wenn die Straßen noch nicht so überfüllt sind. «Am besten kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln», rät die Polizei. Die U-Bahn-Linie U1 hält direkt in Heddernheim und bringt Besucher ins Herz des Geschehens.
Der Fastnachtsumzug in Klaa Paris ist mehr als nur ein buntes Spektakel – er ist ein lebendiges Stück Frankfurter Stadtteilkultur. In einer Zeit, in der viele Traditionen verschwinden, hat sich hier ein Brauchtum erhalten, das Generationen verbindet und lokale Identität stiftet.
Wenn am Sonntag wieder der traditionelle Schlachtruf «Äla Äla – Äla Äla» durch die Straßen hallt, wird für ein paar Stunden die große Welt da draußen vergessen. In Klaa Paris regiert dann die Fastnacht – und alle sind eingeladen mitzufeiern.