Die eisigen Temperaturen der letzten Tage haben nicht nur für glatte Straßen gesorgt, sondern auch den Zugverkehr in Schleswig-Holstein erheblich beeinträchtigt. Seit Anfang der Woche fallen zahlreiche Verbindungen aus, weil die modernen Akkuzüge mit den Minusgraden nicht zurechtkommen. Besonders betroffen sind Pendler auf den Strecken zwischen Hamburg und Itzehoe sowie zwischen Kiel und Lübeck.
«Ich stehe seit zwei Tagen jeweils über eine Stunde am Bahnhof und warte auf Züge, die nicht kommen», berichtet Anna Petersen, eine Pendlerin aus Elmshorn. «Die Informationen sind spärlich, und die Ersatzbusse können den Andrang kaum bewältigen.»
Nach Angaben der Deutschen Bahn und des Betreibers Nordbahn sind die Probleme auf die neuen batteriebetriebenen Züge zurückzuführen, die erst seit dem vergangenen Jahr auf vielen Strecken in Schleswig-Holstein eingesetzt werden. Bei Temperaturen unter minus fünf Grad Celsius verlieren die Akkus deutlich an Leistung, was zu Ausfällen und Verspätungen führt.
«Die Batterietechnologie hat sich in Labortests bewährt, aber die realen Winterbedingungen stellen uns vor unerwartete Herausforderungen», erklärt Bahnsprecherin Sabine Müller. «Wir arbeiten mit Hochdruck an Lösungen, um die Züge winterfest zu machen.»
Der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen zeigt sich besorgt über die Situation: «Die Umstellung auf klimafreundliche Antriebe ist richtig und wichtig, aber die Technik muss zuverlässig funktionieren. Wir haben den Herstellern klare Fristen gesetzt, um die Probleme zu beheben.»
Die betroffenen Fahrgäste müssen sich vorerst auf Ersatzverkehr mit Dieselzügen und Bussen einstellen. Die Nordbahn hat zusätzliche Mitarbeiter an den Bahnhöfen eingesetzt, um Reisende zu informieren und bei Alternativen zu unterstützen.
Die Akkuzüge wurden als umweltfreundliche Alternative zu Dieseltriebwagen auf nicht-elektrifizierten Strecken eingeführt. Sie laden ihre Batterien während der Fahrt unter Oberleitungen auf und können dann auf Strecken ohne Stromversorgung weiterfahren. Experten zufolge ist die Kälteempfindlichkeit von Akkus ein bekanntes Problem, das bei der Planung offenbar unterschätzt wurde.
Verkehrsverbände kritisieren die mangelnde Vorbereitung: «Es ist nicht das erste Mal, dass es in Schleswig-Holstein Winter wird», sagt Holger Busche vom Fahrgastverband Pro Bahn. «Neue Technologien müssen unter realistischen Bedingungen getestet werden, bevor sie flächendeckend eingesetzt werden.»
Meteorologen kündigen für die kommende Woche weiterhin Temperaturen um den Gefrierpunkt an. Die Bahn rät Reisenden, sich vor Fahrtantritt über die aktuelle Situation zu informieren und mehr Zeit einzuplanen.
Für die betroffenen Pendler bleibt vorerst nur der Blick auf die Wetter-App – und die Hoffnung auf baldigen Tauwetter.