Die Temperaturen in Berlin und Brandenburg sind in den letzten Tagen deutlich gesunken. An vielen Seen und Teichen haben sich dünne Eisschichten gebildet. Doch diese vermeintlich winterliche Idylle birgt ernste Gefahren. Die Polizei warnt aktuell eindringlich davor, die gefrorenen Gewässer zu betreten.
«Die Eisflächen sind noch viel zu dünn und tragen nicht», erklärt Polizeisprecherin Dörte Röhrs. «Selbst wenn es in den letzten Nächten Minusgrade gab, reicht das nicht aus, um eine tragfähige Eisdecke zu bilden.»
Besonders an diesem Wochenende werden bei sonnigem Wetter viele Menschen zu Spaziergängen an Gewässern erwartet. Die Berliner Polizei beobachtet bereits jetzt besorgniserregende Szenen: Immer wieder wagen sich Personen auf die dünnen Eisflächen – ein lebensgefährliches Risiko.
Lebensgefahr durch Einbrechen
Das Einbrechen im Eis kann schnell tödlich enden. Wer ins eiskalte Wasser fällt, erleidet einen Kälteschock. Die Muskeln verkrampfen sich, die Atmung wird unregelmäßig, und Panik macht sich breit. Selbst gute Schwimmer haben bei Wassertemperaturen nahe dem Gefrierpunkt kaum Chancen, sich zu retten.
«Innerhalb von Minuten kann die Unterkühlung so stark sein, dass man handlungsunfähig wird», warnt der Leiter der Wasserwacht Brandenburg. «Wer dann nicht sofort Hilfe bekommt, ertrinkt.»
Besonders gefährlich: Kinder erkennen die Gefahr oft nicht und werden vom Eis magisch angezogen. Eltern sollten deshalb besonders aufmerksam sein und ihre Kinder über die Risiken aufklären.
Ab wann ist Eis sicher?
Experten betonen: Eine tragfähige Eisdecke braucht mehrere Tage mit deutlichen Minusgraden. Als Faustregel gilt, dass das Eis mindestens 15 Zentimeter dick sein sollte, bevor man es betreten kann. Diese Stärke ist aktuell nirgendwo in der Region erreicht.
Die Berliner Feuerwehr erinnert zudem daran, dass die Eisdicke auf einem Gewässer nie einheitlich ist: «Strömungen, Quellen oder Einleitungen können dafür sorgen, dass das Eis an manchen Stellen viel dünner ist als an anderen – selbst wenn die Oberfläche gleich aussieht.»
So verhalten Sie sich im Notfall richtig
Sollte jemand ins Eis einbrechen, rät die Polizei:
- Sofort den Notruf 112 wählen
- Nicht selbst hinterherspringen, sondern vom Ufer aus helfen
- Der eingebrochenen Person zurufen, sich am Eisrand festzuhalten
- Wenn möglich, vom Ufer aus Hilfsmittel wie Äste, Leitern oder Seile reichen
- Die Person anweisen, sich flach zu machen und vorsichtig zum Ufer zu robben
«Wer selbst einbricht, sollte versuchen, ruhig zu bleiben und sich mit ausgebreiteten Armen am Eisrand festzuhalten», erklärt ein Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). «Dann sollte man versuchen, sich in Richtung des Ufers zu bewegen, von wo man gekommen ist, da das Eis dort wahrscheinlich stabiler ist.»
Die Rettungskräfte in Berlin und Brandenburg sind auf Einsätze bei Eisunfällen vorbereitet. Dennoch appellieren sie an die Vernunft der Menschen: «Kein Eisspaß ist es wert, sein Leben zu riskieren. Bitte bleiben Sie in diesem Winter noch von den Eisflächen fern.»