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Nachrichten Lokal > Nachrichten > München > Geisterradler Unfall München: Frontalcrash endet schwer verletzt
München

Geisterradler Unfall München: Frontalcrash endet schwer verletzt

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: Januar 18, 2026 7:13 pm
Julia Becker
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Geisterradler auf der Leopoldstraße schwer verletzt: Stadtrat fordert bessere Radinfrastruktur

Ein schwerer Verkehrsunfall hat sich gestern Nachmittag auf der stark befahrenen Leopoldstraße ereignet. Ein 32-jähriger Radfahrer kollidierte frontal mit einem Auto, als er entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung unterwegs war. Der Unfall wirft erneut Fragen zur Sicherheit der Radinfrastruktur in der bayerischen Landeshauptstadt auf.

Nach Angaben der Münchner Polizei ereignete sich der Vorfall gegen 16:30 Uhr im nördlichen Abschnitt der Leopoldstraße. Der Radfahrer befuhr den Radweg in südlicher Richtung, obwohl dieser nur für den Nordverkehr zugelassen ist. In Höhe der Kreuzung zur Ungererstraße kam es zur Kollision mit einem Mercedes, dessen 45-jährige Fahrerin gerade nach rechts abbiegen wollte.

«Die Autofahrerin hatte nicht mit Verkehr aus dieser Richtung gerechnet», erklärt Hauptkommissar Andreas Weber von der Verkehrspolizei München. «Bei einem Abbiegevorgang prüft man natürlich die Seite, aus der regulär Verkehr kommen kann. Ein Geisterradler ist da praktisch unsichtbar.»

Der Radfahrer erlitt bei dem Zusammenstoß schwere Kopfverletzungen und mehrere Frakturen. Er wurde vom Rettungsdienst ins Klinikum Schwabing gebracht. Die Autofahrerin blieb körperlich unverletzt, steht jedoch unter Schock und wird psychologisch betreut.

Problematische Verkehrssituation an der Leopoldstraße

Die Leopoldstraße ist eine der Hauptverkehrsadern Münchens und verbindet die Innenstadt mit den nördlichen Stadtteilen. Täglich nutzen tausende Radfahrer die vorhandene Infrastruktur, die von Verkehrsexperten seit Jahren als unzureichend kritisiert wird.

«Die Radwege entlang der Leopoldstraße sind teilweise zu schmal und oft nicht eindeutig markiert», sagt Andreas Fischer vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) München. «Viele Radfahrer fühlen sich unsicher und weichen auf Gehwege aus oder fahren entgegen der Fahrtrichtung, um komplizierte Querungen zu vermeiden.»

Die Münchner Verkehrsbehörde verzeichnete allein im vergangenen Jahr 143 Unfälle mit Radfahrerbeteiligung auf der Leopoldstraße und den angrenzenden Straßen. Etwa 15 Prozent davon gingen auf das Konto von Geisterradlern.

Stadtrat fordert Konsequenzen

Der Unfall hat auch die Kommunalpolitik erreicht. Im Mobilitätsausschuss des Stadtrats wurde der Vorfall bereits thematisiert. Grünen-Stadträtin Gudrun Langer fordert schnelles Handeln: «Dieser tragische Unfall zeigt einmal mehr, wie dringend wir die Radinfrastruktur in München verbessern müssen. Wir brauchen breitere, geschützte Radwege und vor allem klare, intuitive Führungen an Kreuzungen.»

Die Stadt München hat im Rahmen ihrer Mobilitätsstrategie bereits Pläne für den Ausbau des Radwegenetzes vorgelegt. Für die Leopoldstraße ist eine komplette Neugestaltung des Straßenraums geplant, die mehr Platz für Radfahrer vorsieht. Allerdings steht die Umsetzung noch aus.

«Wir arbeiten mit Hochdruck an der Verbesserung der Situation», erklärt Verkehrsreferent Georg Dunkel. «Die Planung für die Leopoldstraße ist komplex, da wir alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigen müssen. Noch in diesem Jahr beginnen wir mit ersten baulichen Maßnahmen zur Entschärfung der gefährlichsten Stellen.»

Appell an Verkehrsteilnehmer

Die Polizei München appelliert nach dem Unfall erneut an alle Verkehrsteilnehmer, sich an die Verkehrsregeln zu halten. «Geisterradeln ist kein Kavaliersdelikt», betont Polizeisprecherin Maria Hoffmann. «Es gefährdet nicht nur den Radfahrer selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer.»

Für Radfahrer, die in falscher Richtung unterwegs sind, kann ein Bußgeld von 20 bis 35 Euro fällig werden. Bei einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer erhöht sich das Bußgeld auf bis zu 100 Euro.

«Jeder muss seinen Teil zur Verkehrssicherheit beitragen», sagt ADFC-Sprecher Fischer. «Gleichzeitig ist die Stadt in der Pflicht, die Infrastruktur so zu gestalten, dass sie sicher und intuitiv nutzbar ist. Der aktuelle Zustand verleitet leider viele dazu, gefährliche Abkürzungen zu nehmen.»

Der verunglückte Radfahrer befindet sich nach Auskunft des Klinikums inzwischen in stabilem Zustand. Die Polizei ermittelt zum genauen Unfallhergang und bittet Zeugen, sich zu melden.

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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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