Die Hamburger Feuerwehr hatte in der vergangenen Nacht alle Hände voll zu tun. Eisige Temperaturen verwandelten Straßen und Gehwege in gefährliche Rutschbahnen. Zwischen 19 Uhr am Abend und 6 Uhr morgens rückten die Einsatzkräfte zu mehr als 80 wetterbedingten Notfällen aus.
«So eine Häufung von Glätteunfällen an einem einzigen Abend ist außergewöhnlich», erklärt Feuerwehrsprecher Martin Schmidt. «Obwohl der Winterdienst im Einsatz war, bildete sich auf vielen Straßen blitzschnell eine tückische Eisschicht.»
Die meisten Einsätze betrafen gestürzte Fußgänger, die sich auf den rutschigen Gehwegen nicht mehr auf den Beinen halten konnten. Besonders betroffen waren ältere Menschen und Personen, die nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs waren. Die Verletzungen reichten von leichten Prellungen bis hin zu Knochenbrüchen.
Auch der Straßenverkehr kam teilweise zum Erliegen. Auf der Autobahn A7 bei Hamburg-Stellingen kam es zu einer Massenkarambolage mit sechs beteiligten Fahrzeugen. Glücklicherweise wurden dabei nur zwei Personen leicht verletzt. Die Polizei sperrte die Strecke für knapp zwei Stunden, was zu erheblichen Verkehrsbehinderungen führte.
Im Stadtteil Winterhude rutschte ein Linienbus gegen einen parkenden PKW. Zwar wurde dabei niemand verletzt, doch der Busverkehr musste in diesem Bereich für mehrere Stunden eingestellt werden. In Barmbek verlor ein Motorradfahrer auf einer vereisten Kreuzung die Kontrolle und stürzte. Er wurde mit einem Beinbruch ins Krankenhaus gebracht.
Die Rettungsdienste arbeiteten am Limit. «Wir haben alle verfügbaren Kräfte mobilisiert, um die vielen Notrufe bewältigen zu können», berichtet Schmidt. «Zeitweise waren sämtliche Rettungswagen im Einsatz.» Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Rettungswagen stieg auf über 20 Minuten – deutlich länger als üblich.
Auch die Krankenhäuser spürten die Auswirkungen der Glättewelle. Die Notaufnahme des UKE meldete doppelt so viele Patienten wie an normalen Tagen. «Hauptsächlich hatten wir es mit typischen Sturzfolgen zu tun: Handgelenks- und Armbrüche, Hüftfrakturen bei älteren Menschen und Gehirnerschütterungen», erklärt Dr. Sabine Müller, leitende Ärztin der Notaufnahme.
Der Deutsche Wetterdienst hatte bereits am Nachmittag vor Glätte gewarnt, doch die Intensität überraschte viele. Besonders tückisch: Zuerst fiel leichter Regen, der auf den kalten Böden sofort gefror. Diese sogenannte «Eisglätte» ist besonders gefährlich, da sie oft kaum sichtbar ist.
Stadtteile mit Steigungen wie Blankenese und Harvestehude waren besonders stark betroffen. Am Elbhang mussten mehrere Straßen komplett gesperrt werden, nachdem dort mehrere Fahrzeuge ins Rutschen geraten waren.
Die Feuerwehr rät den Hamburgerinnen und Hamburgern, in den nächsten Tagen besonders vorsichtig zu sein. «Tragen Sie festes Schuhwerk mit gutem Profil, gehen Sie langsamer als gewohnt und halten Sie sich wenn möglich an Geländern fest», empfiehlt Schmidt. Autofahrer sollten ihre Fahrweise anpassen und deutlich mehr Abstand halten.
Für die kommenden Tage rechnet der Wetterdienst mit weiteren frostigen Temperaturen. Die Stadtreinigung Hamburg hat angekündigt, den Winterdienst zu verstärken und zusätzliche Streufahrzeuge einzusetzen. Anwohner werden daran erinnert, dass sie für die Räumung der Gehwege vor ihren Grundstücken verantwortlich sind.
«Streuen Sie rechtzeitig und großzügig», rät Schmidt. «Besonders gefährdet sind Treppen, abschüssige Wege und schattige Stellen, wo das Eis länger bestehen bleibt.»
Das Technische Hilfswerk (THW) hat bereits zusätzliche Einsatzkräfte in Bereitschaft versetzt, um bei weiteren wetterbedingten Notfällen unterstützen zu können. Die Behörden hoffen jedoch, dass sich die Lage mit den verstärkten Streumaßnahmen bald entspannt.