Vereiste Schienen und rutschige Wege haben das Berliner Stadtleben am Donnerstag erheblich beeinträchtigt. Besonders betroffen war die U-Bahnlinie U2, die aufgrund von Glatteisbildung an mehreren Stellen ihren Betrieb vorübergehend einstellen musste. Die BVG meldete am Vormittag eine Unterbrechung zwischen den Stationen Gleisdreieck und Pankow.
„Die Sicherheit unserer Fahrgäste hat oberste Priorität«, erklärte BVG-Sprecher Markus Schmidt. „Bei extremen Witterungsbedingungen wie heute müssen wir manchmal schnelle Entscheidungen treffen.» Techniker arbeiteten mit Hochdruck daran, die vereisten Schienen und Stromschienen wieder betriebsfähig zu machen.
Nach zweistündiger Unterbrechung konnte der Betrieb gegen 13 Uhr wieder aufgenommen werden. „Wir haben alle verfügbaren Kräfte mobilisiert, um die Strecke so schnell wie möglich wieder freizubekommen», so Schmidt. Dennoch kam es im gesamten Netz zu Verspätungen und Einschränkungen.
Die Berliner Stadtreinigung (BSR) war seit den frühen Morgenstunden im Dauereinsatz. „Wir haben über 500 Mitarbeiter und mehr als 260 Fahrzeuge im Einsatz«, sagte BSR-Sprecherin Sabine Thümler. Besonders die Hauptverkehrsadern und Zufahrtswege zu Krankenhäusern wurden priorisiert.
Das Glatteis stellte viele Berliner vor kreative Herausforderungen. In Prenzlauer Berg beobachtete unsere Redaktion, wie Anwohner Katzenstreu auf ihren Gehwegen verteilten. „Der Hausmeister kommt nicht nach, und die Stadt räumt zuerst die Hauptstraßen», erklärte Anwohnerin Maria Schulz (42). „Das Katzenstreu hatte ich noch im Keller – besser als nichts.»
In Kreuzberg entwickelten einige Café-Besitzer eine ungewöhnliche Methode: Sie übergossen ihre Eingangsbereiche mit heißem Kaffee. „Natürlich nehmen wir dafür nur den Kaffeesatz vom Vortag», versicherte Café-Betreiber Jan Neumann (38). „Es funktioniert erstaunlich gut und riecht sogar angenehm.»
Die Berliner Feuerwehr verzeichnete bis zum Nachmittag über 380 witterungsbedingte Einsätze. „Wir hatten zahlreiche Stürze zu versorgen, vor allem bei älteren Menschen», berichtete Feuerwehrsprecher Thomas König. Die Rettungsdienste arbeiteten am Limit.
In den sozialen Medien teilten viele Berliner ihre eigenen Glatteis-Erfahrungen. Ein Video aus Schöneberg, das eine improvisierte „Eisbahn» auf einem Bürgersteig zeigte, wurde tausendfach geteilt. Die Kommentare reichten von Humor bis Kritik an der Stadtreinigung.
Das Deutsche Wetterzentrum prognostiziert für die kommenden Tage weiterhin Temperaturen um den Gefrierpunkt. „Die Glatteisgefahr bleibt mindestens bis zum Wochenende bestehen«, warnt Meteorologe Jens Hoffmann. „Besonders in den Morgenstunden ist Vorsicht geboten.»
Die Verkehrsinformationszentrale Berlin empfiehlt allen Verkehrsteilnehmern, mehr Zeit für ihre Wege einzuplanen und besonders vorsichtig zu sein. Für ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität bieten verschiedene Nachbarschaftsinitiativen Unterstützung beim Einkaufen an.
Die aktuelle Wetterlage erinnert viele Berliner an den „Eisfernwinter» von 2010, als tagelang Glatteis den Verkehr lahmlegte. „Im Vergleich zu damals sind wir heute besser vorbereitet», betont BSR-Sprecherin Thümler. „Aber gegen die Natur kommt man manchmal einfach nicht an.»