In Hamburg und dem gesamten Norden Deutschlands wird es in den kommenden Tagen gefährlich glatt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat eine amtliche Glatteis-Warnung für die Hansestadt und weite Teile Norddeutschlands herausgegeben. Ab dem späten Abend müssen sich Verkehrsteilnehmer auf überfrierenden Regen und spiegelglatte Straßen einstellen.
«Wir erwarten eine besonders gefährliche Wetterlage mit Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt und Niederschlag, der auf den kalten Böden sofort gefriert», erklärt Meteorologe Frank Böttcher vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation. Die Kombination aus Bodenfrost und Regen schafft ideale Bedingungen für Blitzeis – eine der tückischsten Gefahren im Winterverkehr.
Die Hamburger Stadtreinigung (SRH) hat bereits reagiert und alle verfügbaren Streufahrzeuge in Bereitschaft versetzt. «Unsere 840 Einsatzkräfte und 350 Fahrzeuge stehen bereit, um die wichtigsten Verkehrswege freizuhalten», sagt SRH-Sprecher Kay Goetze. Besonders kritisch: Die Temperaturen sollen in der Nacht auf bis zu minus acht Grad fallen.
Für Autofahrer und Fußgänger bedeutet dies höchste Vorsicht. Die Polizei Hamburg empfiehlt, nicht notwendige Fahrten zu verschieben. «Bei Blitzeis verlängert sich der Bremsweg erheblich. Selbst mit Winterreifen haben Fahrzeuge auf spiegelglatten Straßen kaum Halt», warnt Polizeisprecher Thilo Marxsen.
In den Notaufnahmen der Hamburger Krankenhäuser bereitet man sich auf eine erhöhte Zahl von Sturzverletzungen vor. «Bei solchen Wetterbedingungen sehen wir typischerweise mehr Handgelenks- und Hüftfrakturen, besonders bei älteren Menschen», erklärt Dr. Maja Weber vom UKE Hamburg.
Die Warnung gilt nicht nur für Hamburg: Von Flensburg bis Lüneburg und von Cuxhaven bis nach Mecklenburg-Vorpommern muss mit erheblicher Glätte gerechnet werden. Der öffentliche Nahverkehr könnte ebenfalls betroffen sein.
Die Hamburger Verkehrsbetriebe (HVV) bitten Fahrgäste, mehr Zeit für ihre Wege einzuplanen. «Busse werden langsamer unterwegs sein, auch bei S- und U-Bahnen kann es zu Verzögerungen kommen», so ein HVV-Sprecher. Besonders exponierte Haltestellen würden vorrangig geräumt und gestreut.
Experten raten dringend zu angepasster Kleidung und Schuhwerk mit gutem Profil. «Wer raus muss, sollte Schuhe mit griffiger Sohle tragen und kleine, langsame Schritte machen», empfiehlt Unfallchirurg Dr. Lars Müller. Bei Stürzen sei es wichtig, sich nicht mit ausgestreckten Armen abzufangen, sondern wenn möglich abzurollen.
Für Hauseigentümer besteht Räumpflicht. Gehwege vor Grundstücken müssen zwischen 7 und 20 Uhr von Schnee und Eis befreit und bei Glätte gestreut werden. Die Stadtreinigung erinnert daran, dass umweltfreundliche Streumittel wie Split oder Sand verwendet werden sollten.
Die Wetterlage bleibt voraussichtlich bis Mitte der Woche kritisch. «Erst ab Donnerstag rechnen wir mit einer langsamen Erwärmung», sagt Meteorologe Böttcher. Bis dahin heißt es: Vorsicht auf Hamburgs Straßen und Gehwegen.