Die Hansestadt Hamburg erlebt derzeit eine Phase gefährlicher Glätte. Der Deutsche Wetterdienst warnt weiterhin vor erheblicher Glatteisgefahr im gesamten Stadtgebiet und im Hamburger Umland. In den frühen Morgenstunden des heutigen Tages verwandelten sich viele Straßen und Gehwege in regelrechte Rutschbahnen.
«Es ist extrem gefährlich da draußen», berichtet Klaus Müller, Leiter der Hamburger Straßenreinigung. «Unsere Streufahrzeuge sind seit Mitternacht im Dauereinsatz, aber durch die Kombination aus Regen und Minustemperaturen bildet sich immer wieder neues Eis.»
Auf den Hauptverkehrsstraßen hat der Winterdienst bisher gute Arbeit geleistet, doch in Nebenstraßen und Wohngebieten bleibt die Situation kritisch. Besonders betroffen sind exponierte Bereiche wie Brücken und Hochstraßen sowie schattige Abschnitte, wo die Sonneneinstrahlung keine Hilfe bietet.
In den Notaufnahmen der Hamburger Krankenhäuser wurden seit gestern Abend bereits mehr als 60 Personen mit sturzbedingten Verletzungen behandelt. Überwiegend handelt es sich um Prellungen, Verstauchungen und Knochenbrüche. Das UKE berichtet von einer Verdopplung der Notfälle im Vergleich zu normalen Wintertagen.
Die Hamburger Polizei meldet zudem seit Mitternacht 47 glättebedingte Verkehrsunfälle im Stadtgebiet. «Zum Glück meist nur Blechschäden», erklärt Polizeisprecherin Sarah Neumann. «Viele Autofahrer haben offenbar die Warnungen ernst genommen und fahren vorsichtiger oder bleiben gleich zu Hause.»
Der öffentliche Nahverkehr ist ebenfalls betroffen. Die Hochbahn meldet Verspätungen auf mehreren Buslinien, besonders in den höher gelegenen Stadtteilen wie Blankenese und Harburg. Die S-Bahnen und U-Bahnen fahren weitgehend nach Plan, allerdings kommt es an einigen Stationen zu Verzögerungen, da die Zugänge vereist sind.
«Wir raten allen Hamburgerinnen und Hamburgern, die nicht unbedingt raus müssen, heute zu Hause zu bleiben«, sagt Innensenator Andy Grote. «Für alle, die zur Arbeit oder Schule müssen, gilt: Mehr Zeit einplanen, vorsichtig fahren und vor allem gutes Schuhwerk tragen.»
Die Schulbehörde hat bereits reagiert und den Schulen freigestellt, den Unterricht heute flexibel zu gestalten. Fehlzeiten werden nicht als unentschuldigt gewertet, wenn Schülerinnen und Schüler wegen der Wetterbedingungen nicht erscheinen können.
Meteorologen erwarten eine leichte Entspannung erst für den Nachmittag, wenn die Temperaturen leicht über den Gefrierpunkt steigen sollen. «Ab etwa 14 Uhr könnte die Glätte langsam zurückgehen», erklärt Wetterexperte Thomas Klein vom Deutschen Wetterdienst. «Aber Vorsicht: In der Nacht sinken die Temperaturen wieder, und übrig gebliebene Nässe wird erneut gefrieren.»
Für ältere Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität bietet die Stadt einen besonderen Service an: Unter der Hotline 040-428 28 5000 können Hilfsbedürftige anrufen und Unterstützung für notwendige Wege anfordern.
Die Stadtreinigung empfiehlt Hauseigentümern und Mietern mit Räumpflicht, auf herkömmliches Streusalz zu verzichten und stattdessen umweltfreundliche Alternativen wie Split oder spezielle Granulate zu verwenden. Bei korrekter Anwendung seien diese ebenso wirksam und schonen Pflanzen sowie Haustiere.
Für den Rest der Woche sagen die Meteorologen wechselhaftes Winterwetter voraus, mit weiteren möglichen Glätteepisoden am Donnerstag und Freitag. Die Hamburgerinnen und Hamburger müssen also vorerst weiter mit winterlichen Herausforderungen rechnen und sollten ihre Wege entsprechend planen.