Der kalte Februar-Wind peitscht über die Grünwalder Straße, während ich dem Eingang des Sechzger-Stadions entgegengehe. Die Dokumentation «Rise & Fall – Die Geschichte des TSV 1860 München» hat es tatsächlich geschafft: Sie wurde für den renommierten Grimme-Preis 2026 nominiert. Ein Meilenstein für die Löwen-Saga.
Die vierteilige BR-Doku zeichnet den dramatischen Weg des Traditionsvereins nach. Vom Bundesliga-Gründungsmitglied über den bitteren Abstieg bis hin zu den turbulenten Jahren mit wechselnden Investoren. Besonders beeindruckt hat die Jury die schonungslose Offenheit der Protagonisten. «Wir wollten keine geschönte Version erzählen, sondern die Wahrheit mit all ihren Ecken und Kanten», erklärt Regisseur Michael Verhoeven im Gespräch.
Unvergesslich bleibt mir die Szene, in der Alt-Präsident Wildmoser mit Tränen kämpft. Seine Stimme brach, als er über die verpassten Chancen sprach. Die Dokumentation schafft es, die tiefe emotionale Verbindung zwischen Verein und Fans greifbar zu machen. Sie zeigt Menschen, nicht nur Fußball.
Die Löwen-Doku reiht sich ein in einen wachsenden Trend kritischer Sportdokumentationen. Jenseits von Heldengeschichten und Glorifizierung suchen wir heute nach echten Einblicken. Nach menschlichen Geschichten hinter dem Sport. Der Grimme-Preis könnte der Löwenfamilie nun eine späte Genugtuung verschaffen – abseits aller sportlichen Höhen und Tiefen.