Ein plötzlicher Großbrand hat in der Nacht zum Samstag ein Mehrfamilienhaus im Dresdner Stadtteil Johannstadt in Flammen gesetzt. Gegen 2:30 Uhr wurden die Bewohner durch Rauchmelder und laute Hilfeschreie aus dem Schlaf gerissen. Insgesamt mussten 150 Menschen ihre Wohnungen verlassen und in der Kälte ausharren, während die Feuerwehr mit einem Großaufgebot gegen die Flammen kämpfte.
«Ich habe nur meinen Schlafanzug und eine Jacke geschnappt und bin sofort rausgerannt», erzählt die 78-jährige Bewohnerin Helga Schmidt, die seit über 30 Jahren in dem Gebäude lebt. «Der Rauch war so dicht, dass ich kaum die Hand vor Augen sehen konnte.»
Nach ersten Erkenntnissen der Polizei brach das Feuer im Keller des fünfstöckigen Gebäudes aus und breitete sich rasch über das Treppenhaus in die oberen Stockwerke aus. Die genaue Brandursache ist noch unklar, die Ermittler schließen jedoch Brandstiftung nicht aus. Der entstandene Sachschaden wird auf mindestens 500.000 Euro geschätzt.
Dank des schnellen Eingreifens der Dresdner Berufsfeuerwehr, die mit 15 Fahrzeugen und 60 Einsatzkräften vor Ort war, konnte der Brand nach drei Stunden unter Kontrolle gebracht werden. «Es war ein besonders herausfordernder Einsatz, weil wir gleichzeitig Menschen retten und den Brand bekämpfen mussten», erklärt Einsatzleiter Frank Weber.
Elf Bewohner erlitten Rauchgasvergiftungen, drei von ihnen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Unter den Verletzten befanden sich auch zwei Kinder im Alter von fünf und sieben Jahren, die jedoch nach ambulanter Behandlung wieder entlassen werden konnten.
Das Deutsche Rote Kreuz richtete in der nahegelegenen Turnhalle der 101. Oberschule eine Notunterkunft ein. «Wir versorgen die Menschen mit warmen Getränken, Decken und dem Nötigsten», sagt DRK-Helferin Claudia Müller. «Viele stehen unter Schock und brauchen jetzt vor allem menschlichen Beistand.»
Die Stadtverwaltung Dresden hat bereits Hilfe zugesagt. «Wir werden niemanden allein lassen», versichert Sozialbürgermeisterin Karin Weber. «Für alle Betroffenen werden wir Ersatzunterkünfte bereitstellen, bis sie in ihre Wohnungen zurückkehren können oder neue Bleiben gefunden sind.»
Besonders dramatisch verlief die Rettung einer vierköpfigen Familie aus dem vierten Stock. Vater Marcel Lehmann berichtet: «Der Fluchtweg durchs Treppenhaus war abgeschnitten. Wir haben uns mit unseren Kindern auf den Balkon geflüchtet und um Hilfe gerufen.» Die Familie wurde schließlich per Drehleiter gerettet.
Nachbarn aus umliegenden Häusern zeigen große Solidarität. Spontan haben sich Hilfsangebote für die Betroffenen formiert. «Ich habe sofort meine Wohnung für eine Mutter mit zwei Kindern angeboten», sagt Anwohnerin Petra Schneider. «In solchen Situationen muss man zusammenhalten.»
Die Polizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen und bittet Zeugen, die in der Nacht verdächtige Beobachtungen gemacht haben, sich zu melden. Ein Brandsachverständiger wird in den kommenden Tagen das Gebäude untersuchen, sobald es wieder betreten werden kann.
Laut Wohnungsbaugesellschaft, der das Gebäude gehört, werden mindestens 20 Wohnungen für längere Zeit unbewohnbar sein. «Die Statik des Gebäudes ist zum Glück nicht beeinträchtigt, aber die Schäden durch Feuer und Löschwasser sind erheblich», erklärt Geschäftsführer Thomas Hoffmann. «Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Lösungen für alle betroffenen Mieter zu finden.»
Die Stadt Dresden hat eine Telefon-Hotline für Betroffene und Angehörige eingerichtet, die rund um die Uhr erreichbar ist. Zudem wurde ein Spendenkonto für die Brandopfer eröffnet. Erste Hilfsangebote sind bereits eingegangen, darunter Kleiderspenden und Möbel für die vorübergehenden Unterkünfte.
Oberbürgermeister Martin Schulz, der sich am frühen Morgen ein Bild von der Lage machte, zeigte sich betroffen: «Dieser Brand hat viele Menschen in eine Notlage gebracht. Aber die Dresdner Solidarität ist überwältigend. Gemeinsam werden wir diese Krise meistern.»
Für die kommenden Tage hat die Stadt eine Bürgerversammlung angekündigt, bei der über Hilfsmaßnahmen und den Wiederaufbau informiert werden soll. Bis dahin werden die Betroffenen in Hotels und Ferienwohnungen untergebracht.