In der Nacht zum Freitag ist ein Güterzug im Essener Norden entgleist. Die Bundespolizei geht von vorsätzlicher Sabotage aus. Unbekannte sollen Schienenbefestigungen gelöst haben, was zu dem Unfall führte. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, doch der Sachschaden ist erheblich.
Der Vorfall ereignete sich gegen 1:30 Uhr im Bereich des Bahnhofs Essen-Dellwig. Mehrere Waggons sprangen aus den Gleisen. Der Lokführer bemerkte während der Fahrt ein ungewöhnliches Ruckeln und leitete sofort eine Notbremsung ein. Trotz seines schnellen Handelns konnten einige Waggons nicht mehr auf den Schienen gehalten werden.
«Wir haben deutliche Hinweise auf eine vorsätzliche Manipulation an den Gleisanlagen gefunden», erklärte ein Sprecher der Bundespolizei gegenüber unserer Redaktion. «Die Schienenbefestigungen wurden gezielt gelöst, was zu einer Spurerweiterung führte und letztlich den Unfall verursachte.»
Experten der Bundespolizei und Kriminaltechniker sicherten am Freitagmorgen umfangreich Spuren. Die Polizei hat eine Sonderkommission eingerichtet, die nun wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt. Die Straftat kann mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden.
Der Güterzug transportierte keine gefährlichen Güter, was die Lage etwas entschärfte. Die Deutsche Bahn beziffert den Sachschaden vorläufig auf mehrere hunderttausend Euro. Neben den beschädigten Waggons müssen auch die Gleisanlagen auf einer Länge von etwa 100 Metern komplett erneuert werden.
Anwohner des nahen Wohngebiets wurden durch den lauten Knall der Notbremsung und das Entgleisen aus dem Schlaf gerissen. «Es klang wie ein Erdbeben», berichtete die 67-jährige Anwohnerin Gisela Müller. «Mein ganzes Schlafzimmer hat gewackelt, und dann war da dieser ohrenbetäubende Lärm.»
Der Bahnverkehr auf der betroffenen Strecke, die hauptsächlich für den Güterverkehr genutzt wird, bleibt voraussichtlich bis Montag unterbrochen. Techniker arbeiten mit Hochdruck an der Reparatur der Schäden.
Dieser Vorfall reiht sich in eine besorgniserregende Serie von Angriffen auf die Bahninfrastruktur ein. Erst im vergangenen Jahr hatten Sabotageakte in Nordrhein-Westfalen und Berlin zu massiven Störungen im Bahnverkehr geführt. Die Bundespolizei hat deshalb die Kontrollen an neuralgischen Punkten des Schienennetzes verstärkt.
«Solche Taten gefährden Menschenleben und sind absolut inakzeptabel», betonte Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen. «Ich hoffe, dass die Täter schnell gefasst werden können.»
Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe: Wer in der Nacht zum Freitag verdächtige Personen oder Fahrzeuge im Bereich des Bahnhofs Essen-Dellwig beobachtet hat, wird gebeten, sich zu melden. Auch scheinbar unbedeutende Beobachtungen könnten für die Ermittlungen wertvoll sein.
Die Ermittler prüfen auch, ob es einen Zusammenhang mit früheren Sabotageakten gibt. Bislang fehlt von den Tätern jedoch jede Spur. Die Bundespolizei hat eine anonyme Hinweishotline eingerichtet, über die Zeugen Informationen mitteilen können.