Nach zwei Jahren auf der Flucht steht Olga F. nun vor Gericht. Die Angeklagte im spektakulären Hamburger Entführungsfall hat am Dienstag erstmals ausgesagt. Vor dem Landgericht Hamburg schilderte die 40-Jährige ihre Version der Ereignisse, die Hamburg im Frühjahr 2022 erschütterten.
Die Staatsanwaltschaft wirft Olga F. vor, gemeinsam mit drei Komplizen einen Geschäftsmann entführt und schwer misshandelt zu haben. Das Opfer wurde laut Anklage in einem Lieferwagen verschleppt, stundenlang gefoltert und erst gegen Zahlung einer hohen Geldsumme freigelassen.
«Es war nie meine Absicht, dass jemand zu Schaden kommt», erklärte F. mit zitternder Stimme im Gerichtssaal. Sie habe lediglich als Vermittlerin in einem Geschäftskonflikt agieren wollen. Die Situation sei dann jedoch völlig außer Kontrolle geraten.
Die Angeklagte bestritt, aktiv an der Gewalt beteiligt gewesen zu sein. «Ich war geschockt, als ich sah, was passierte», sagte sie. Nach der Tat sei sie aus Angst vor den Mittätern untergetaucht und habe Deutschland verlassen.
Die Polizei fahndete zwei Jahre lang international nach Olga F. Im Januar 2024 wurde sie schließlich in Osteuropa festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Seither befindet sie sich in Untersuchungshaft.
Das Entführungsopfer, ein 42-jähriger Unternehmer, hatte schwere Verletzungen davongetragen. Er leidet bis heute unter den psychischen Folgen der Tat. Als Nebenkläger verfolgt er den Prozess persönlich.
«Die Aussage der Angeklagten ist wenig glaubwürdig», kommentierte Staatsanwältin Maren Schmidt nach der Verhandlung. Die Ermittlungen hätten eindeutige Beweise für die aktive Tatbeteiligung von Olga F. erbracht. Der Prozess hat bundesweit Aufmerksamkeit erregt, da auch Verbindungen ins Rotlichtmilieu vermutet werden.
Die drei mutmaßlichen Mittäter wurden bereits im vergangenen Jahr zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Sie hatten Olga F. als Haupttäterin belastet und behauptet, sie habe den Plan zur Entführung entwickelt.
Verteidiger Michael Weber sieht seine Mandantin dagegen als Opfer der Umstände: «Frau F. wurde von den anderen instrumentalisiert und hatte keine Kontrolle über die Eskalation.» Er kündigte an, einen Freispruch anzustreben.
Der Vorsitzende Richter Thomas Paulsen hat für den Prozess insgesamt zwölf Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil wird für Ende August erwartet. Bei einer Verurteilung drohen Olga F. bis zu 15 Jahre Haft.
Kommissar Peter Meier von der Hamburger Polizei zeigt sich erleichtert, dass der Fall nun aufgearbeitet werden kann: «Es war wichtig, alle Beteiligten zur Verantwortung zu ziehen. Die Festnahme der Hauptverdächtigen nach so langer Zeit ist ein großer Erfolg für uns.»
Die Aussage von Olga F. wird in den kommenden Tagen durch weitere Zeugenvernehmungen ergänzt. Besonders gespannt sind die Prozessbeobachter auf die für nächste Woche angesetzte Befragung des Entführungsopfers, der erstmals öffentlich über seine Erlebnisse sprechen wird.