Letzte Woche saß ich beim Arzt im Wartezimmer. Neben mir eine ältere Dame, verzweifelt am Telefon. Sie suchte einen Termin beim Facharzt. Sechs Wochen Wartezeit, hieß es überall. Solche Szenen werden bald Alltag, warnt die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg.
Die KVH schlägt Alarm wegen geplanter Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen. Die Budgetkürzungen treffen das System im Kern. Hausärzte müssen mehr Patienten behandeln, bekommen aber weniger Geld. Das Paradoxe: Während die Bevölkerung altert, schrumpfen die Mittel. Dr. Walter Plassmann, Vorstandsvorsitzender der KVH, bringt es auf den Punkt: «Wir können nicht mit weniger Geld mehr leisten. Diese Rechnung geht nicht auf.»
Die Realität in den Praxen ist bereits angespannt. Termine werden knapper, Wartezeiten länger. Besonders betroffen sind chronisch Kranke und ältere Menschen. Sie brauchen regelmäßige Betreuung. Hausärzte fungieren als Lotsen im Gesundheitssystem. Doch ihre Rolle wird durch Sparzwänge erschwert. Viele Mediziner überdenken ihre Praxisführung. Einige denken sogar an Schließung. Der Nachwuchs bleibt aus.
Hamburg braucht eine andere Weichenstellung. Die Politik muss die ambulante Versorgung stärken, nicht schwächen. Gesundheit darf keine Frage des Budgets sein. Meine Sitznachbarin hat übrigens noch einen Termin bekommen. Beim übernächsten Versuch. Wie lange noch?