Die winterlichen Wetterbedingungen haben Hamburg fest im Griff. Seit gestern Abend versanken weite Teile der Stadt in einer dicken Schneeschicht, die das öffentliche Leben deutlich einschränkt. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes fielen innerhalb weniger Stunden bis zu 25 Zentimeter Neuschnee – so viel wie seit Jahren nicht mehr in der Hansestadt.
Die Hamburger Feuerwehr befindet sich im Dauereinsatz. «Wir haben seit Mitternacht über 450 wetterbedingte Einsätze bewältigt», berichtet Feuerwehrsprecher Martin Schmidt. «Hauptsächlich geht es um umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste und Unfälle auf glatten Straßen.» Besonders betroffen sind die Außenbezirke wie Bergedorf, Harburg und Rahlstedt, wo die Schneemengen am höchsten sind.
Der öffentliche Nahverkehr kämpft mit erheblichen Einschränkungen. Die Hamburger Hochbahn musste mehrere Buslinien komplett einstellen. «Auf den Linien 21, 29 und 39 können wir derzeit keinen Betrieb gewährleisten, da die Straßen teilweise unpassierbar sind», erklärt Hochbahn-Sprecherin Sabine Müller. Bei der S-Bahn kommt es zu Verspätungen von bis zu 40 Minuten. Zwischen Altona und Othmarschen ist der Verkehr wegen einer vereisten Oberleitung vollständig unterbrochen.
Der Winterdienst der Stadtreinigung Hamburg ist mit 350 Fahrzeugen und rund 700 Mitarbeitern im Einsatz. «Unsere Teams arbeiten seit 3 Uhr morgens ununterbrochen, um zuerst die Hauptverkehrsadern und dann die Nebenstraßen freizubekommen», sagt Peter Albrecht, Sprecher der Stadtreinigung. Trotz des Großeinsatzes bleibt die Lage angespannt. Viele Nebenstraßen sind noch nicht geräumt und spiegelglatt.
Am Hamburger Flughafen wurden bisher 47 Flüge gestrichen. Die Räumtrupps arbeiten rund um die Uhr, um die Start- und Landebahnen freizuhalten. Reisende werden gebeten, sich vor der Anreise zum Flughafen über mögliche Verspätungen oder Ausfälle zu informieren.
In den Hamburger Krankenhäusern häufen sich die Notfälle wegen Stürzen auf glatten Wegen. «Wir verzeichnen heute etwa dreimal so viele Knochenbrüche wie an einem normalen Wintertag», berichtet Dr. Katharina Weiß vom UKE. «Besonders betroffen sind ältere Menschen und junge Erwachsene.»
Die Polizei Hamburg meldet seit gestern Abend über 180 Verkehrsunfälle, zum Glück meist mit Blechschäden. «Wir bitten alle Hamburgerinnen und Hamburger, nicht unbedingt notwendige Fahrten zu verschieben und äußerst vorsichtig unterwegs zu sein», appelliert Polizeisprecher Thomas Fischer.
Für Familien mit Kindern gibt es immerhin einen positiven Aspekt: In mehreren Parks der Stadt haben sich spontane Rodelhügel gebildet. Im Stadtpark und am Elbhang in Blankenese tummeln sich trotz Kälte viele Familien mit Schlitten. «So viel Schnee hatten wir schon lange nicht mehr», freut sich die siebenjährige Emma, die mit ihren Eltern im Volkspark rodeln geht.
Die Obdachlosenhilfe hat zusätzliche Notunterkünfte eingerichtet. «Bei diesen Temperaturen kann es für Menschen auf der Straße lebensgefährlich werden», warnt Sozialarbeiter Michael Dembinski. Die Wärmestuben sind durchgehend geöffnet, und mobile Teams sind unterwegs, um obdachlosen Menschen Hilfe anzubieten.
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes soll die Kältewelle noch mindestens zwei Tage anhalten. Für morgen werden weitere leichte Schneefälle und Temperaturen um minus fünf Grad erwartet. Die Behörden bitten die Bevölkerung um Geduld und gegenseitige Hilfe. «Bitte schauen Sie nach älteren Nachbarn und helfen Sie beim Schneeräumen, wo es möglich ist», appelliert Bezirksamtsleiter Bernd Schmidt aus Eimsbüttel.
Die HVV empfiehlt Fahrgästen, sich vor Fahrtantritt über aktuelle Einschränkungen zu informieren und mehr Zeit für den Weg einzuplanen. Schulen bleiben geöffnet, allerdings entscheiden Eltern selbst, ob der Schulweg sicher ist. Die Stadt hat eine Hotline für wetterbedingte Notfälle eingerichtet: 040-428 281 999.