Der Hamburger Hafen rüstet sich für die Wintersaison. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre hat die Hafenverwaltung ihr Winterkonzept deutlich verstärkt, um den reibungslosen Betrieb auch bei extremen Wetterbedingungen zu gewährleisten.
«Wir haben aus den vergangenen Wintern gelernt», erklärt Hafenkapitän Johann Müller. «Besonders die Schneefälle von 2021 haben uns gezeigt, wo wir nachbessern müssen.» Die Hamburg Port Authority (HPA) hat ihr Budget für Winterdienste um 15 Prozent erhöht und zusätzliche Räumfahrzeuge angeschafft.
An strategisch wichtigen Punkten im Hafengebiet wurden neue Salzlager eingerichtet. Die Kapazität wurde von 2.000 auf 3.500 Tonnen Streusalz aufgestockt. «Bei Bedarf können wir rund um die Uhr Räumfahrzeuge einsetzen», betont Müller. Die Priorität liegt dabei auf den Hauptzufahrtsstraßen zu den Containerterminals und wichtigen Logistikknoten.
Besonders die kritische Infrastruktur steht im Fokus der Vorbereitungen. Die Köhlbrandbrücke, wichtigste Verbindung zwischen den Hafenteilen, erhielt eine verbesserte Enteisungsanlage. Auch die Kaikanten werden mit speziellen Heizungen ausgestattet, um gefährliche Eisbildung zu verhindern.
«Die Hafenwirtschaft ist auf Zuverlässigkeit angewiesen», erklärt Angela Bergmann vom Unternehmensverband Hafen Hamburg. «Jeder Tag, an dem der Betrieb eingeschränkt ist, kostet Millionen.» Für Terminalbetreiber und Spediteure sei es entscheidend, dass die Infrastruktur auch bei Eis und Schnee funktioniere.
Die Vorbereitungen betreffen nicht nur die Landseite. Auch die Schifffahrt im Hamburger Hafen muss winterfest gemacht werden. Die Flotte der Schlepper wurde mit verstärkten Eisbrecher-Fähigkeiten ausgestattet. «Sollte die Elbe teilweise zufrieren, können wir Fahrrinnen freihalten», sagt Kapitän Lars Jensen vom Schlepperunternehmen Fairplay.
Neben der technischen Vorbereitung wurde auch das Personal geschult. Über 200 Hafenmitarbeiter haben in den letzten Monaten an Wintertrainings teilgenommen. «Von der Schneekettenmontage bis zur Eisrettung – unsere Teams sind auf alle Szenarien vorbereitet», berichtet Personalleiter Thomas Wagner.
Auch Katastrophenschutzübungen wurden durchgeführt. In Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Hamburg wurden Notfallpläne für extreme Wetterlagen überarbeitet. «Im Ernstfall müssen die Abläufe sitzen», betont Einsatzleiter Frank Schumann.
Der Hamburger Hafen ist mit seinen rund 8.000 Schiffsanläufen jährlich und einem Umschlag von über 130 Millionen Tonnen Fracht ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für Norddeutschland. Wetterbedingte Ausfälle können schnell zu Lieferengpässen führen.
Neu ist in diesem Jahr die digitale Winterüberwachung. Ein Netzwerk aus Sensoren überwacht Temperaturen an kritischen Punkten und meldet Vereisungen automatisch. «So können wir präventiv handeln, bevor es zu Behinderungen kommt», erläutert Digitalisierungsexperte Markus Klein.
Die Wetterdienste sagen für diesen Winter durchschnittliche Temperaturen voraus. «Aber wir müssen auf alles vorbereitet sein», betont Hafenkapitän Müller. «Die Klimaveränderungen machen das Wetter unberechenbarer.»
Die Kosten für die Wintervorbereitungen belaufen sich auf rund 4,2 Millionen Euro. «Eine Investition, die sich auszahlt», ist sich Wirtschaftssenator Peter Schmidt sicher. «Der Hafen ist unsere Lebensader und muss auch im Winter zuverlässig funktionieren.»
Für Anwohner und Besucher bietet die Hafenverwaltung erstmals eine Winter-App an. Sie informiert in Echtzeit über Straßenzustände und eventuelle Einschränkungen im Hafengebiet. «Wer den Hafen im Winter besucht, sollte gut informiert sein», rät Tourismusexpertin Silke Weber.
Die Wintervorbereitungen im Hamburger Hafen zeigen: Die Stadt nimmt die Herausforderungen der kalten Jahreszeit ernst. Mit technischen Innovationen, geschultem Personal und verbesserten Notfallplänen soll der Hafenbetrieb auch bei Eis und Schnee reibungslos weiterlaufen.