Der Hörder Bach fließt seit Jahrzehnten versteckt unter der Erde. Doch bald wird sich das ändern. Die Emschergenossenschaft plant, den Bach ab 2026 zu renaturieren und wieder an die Oberfläche zu holen. Bei einer Informationsveranstaltung im Gemeindezentrum St. Clara zeigten sich die Anwohner überwiegend begeistert.
«Endlich bekommen wir in Hörde einen weiteren naturnahen Bereich«, freut sich Anwohnerin Petra Müller. Sie lebt seit 30 Jahren in der Nähe des verrohrten Bachs. «Ich hätte nie gedacht, dass ich noch erleben würde, wie hier wieder Wasser offen fließt.»
Die Renaturierung ist Teil des umfassenden Emscherumbaus, einer der größten Infrastrukturmaßnahmen Europas. Projektleiter Thomas Weber von der Emschergenossenschaft erläuterte die Pläne: «Der Hörder Bach wird auf einer Länge von etwa 1,2 Kilometern freigelegt. Er soll wieder ein lebendiges Gewässer werden, mit flachen Ufern und naturnaher Bepflanzung.«
Der Bach, der als Marksbach seinen Lauf beginnt und später zum Hörder Bach wird, fließt derzeit größtenteils unterirdisch durch Rohre. Die Planungen sehen vor, ihn zwischen dem Hörder Neumarkt und dem Phoenix-See zu renaturieren. Dies wird nicht nur die Wasserqualität verbessern, sondern auch einen neuen Erholungsraum für die Bevölkerung schaffen.
Die Kosten für das Projekt werden auf rund 8,5 Millionen Euro geschätzt. Die Finanzierung erfolgt durch die Emschergenossenschaft mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Bauarbeiten sollen voraussichtlich drei Jahre dauern.
Bei der Bürgerversammlung wurden auch kritische Fragen gestellt. Einige Anwohner sorgten sich um mögliche Überschwemmungen bei Starkregen. «Diese Bedenken nehmen wir sehr ernst«, betonte Weber. «Die Planungen berücksichtigen verschiedene Hochwasserszenarien. Der renaturierte Bach wird mehr Wasser aufnehmen können als die bisherigen Rohrleitungen.»
Die Umgestaltung wird auch Auswirkungen auf den Verkehr haben. Während der Bauphase muss mit Einschränkungen gerechnet werden. Die Stadt Dortmund arbeitet eng mit der Emschergenossenschaft zusammen, um die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.
Stadtrat Michael Schmidt lobte das Projekt: «Die Renaturierung des Hörder Bachs ist ein wichtiger Baustein für die ökologische Aufwertung unseres Stadtteils. Nach Phoenix-Ost und Phoenix-West ist dies ein weiterer Schritt, Hörde lebenswerter zu gestalten.«
Die Emschergenossenschaft plant, die Anwohner kontinuierlich über den Fortgang der Planungen zu informieren. Im Frühjahr 2025 soll eine weitere Bürgerversammlung stattfinden, bei der detaillierte Baupläne vorgestellt werden.
Der Umbau des Emschersystems ist ein Generationenprojekt, das seit den 1990er Jahren läuft. Ziel ist es, die einst als offener Abwasserkanal genutzte Emscher und ihre Nebenflüsse in naturnahe Gewässer umzuwandeln. Der Hörder Bach ist einer der letzten Abschnitte dieses ambitionierten Vorhabens.
Für die Bewohner von Hörde bedeutet die Renaturierung nicht nur eine ökologische Verbesserung. «Ein offener Bach mit Grünflächen erhöht die Lebensqualität im Viertel enorm«, meint Umweltpädagogin Lisa Krause, die Führungen am Phoenix-See anbietet. «Besonders für Kinder ist es wichtig, Natur im städtischen Umfeld erleben zu können.»
Bis der Bach wieder offen fließt, ist allerdings noch Geduld gefragt. Nach dem Baubeginn 2026 wird es voraussichtlich bis 2029 dauern, bis das Projekt abgeschlossen ist. Dann aber wird der Hörder Bach nach Jahrzehnten im Untergrund wieder sichtbar sein – und ein weiteres Beispiel dafür, wie die Industrielandschaft des Ruhrgebiets sich wandelt.