Im Dortmunder Stadtteil Derne kam es gestern Abend zu einem dramatischen Unfall am Bahnübergang Altenderner Straße. Ein ICE kollidierte mit einem Pkw, dessen Fahrer zuvor die geschlossene Schrankenanlage umfahren hatte. Der Aufprall war so heftig, dass das Auto mehrere hundert Meter mitgeschleift wurde.
Der 29-jährige Autofahrer wurde bei dem Zusammenstoß schwer verletzt und musste von der Feuerwehr aus dem völlig zerstörten Fahrzeugwrack befreit werden. Rettungskräfte brachten ihn umgehend ins Krankenhaus. Nach Angaben der Bundespolizei besteht glücklicherweise keine Lebensgefahr.
Im Zug befanden sich zum Unfallzeitpunkt etwa 200 Reisende. Durch den abrupten Nothalt erlitten 18 Passagiere leichte Verletzungen, hauptsächlich Prellungen und Schürfwunden. Drei von ihnen wurden zur weiteren Behandlung in umliegende Kliniken gebracht.
«Der Fahrer hat offenbar die blinkenden Warnlichter und die geschlossene Schranke missachtet», erklärte Polizeisprecher Michael Schneider. «Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass er versuchte, die Schranke zu umfahren, als der ICE bereits in Sichtweite war.»
Die Deutsche Bahn richtete einen Ersatzverkehr mit Bussen ein, da die Strecke für die Unfallaufnahme und Bergungsarbeiten mehrere Stunden gesperrt werden musste. Zahlreiche Verbindungen zwischen Dortmund und Münster waren betroffen. Erst am frühen Morgen konnte der Bahnverkehr wieder aufgenommen werden.
Techniker untersuchten den ICE auf Schäden. Nach einer ersten Einschätzung wurde die Frontpartie des Zuges erheblich beschädigt. Die Reparaturkosten werden auf mehrere zehntausend Euro geschätzt.
Die Bundespolizei ermittelt nun wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Dem Autofahrer drohen nicht nur strafrechtliche Konsequenzen, sondern auch erhebliche zivilrechtliche Forderungen seitens der Deutschen Bahn und möglicherweise der verletzten Fahrgäste.
«Dieser Vorfall zeigt wieder einmal die Gefahren von Unachtsamkeit an Bahnübergängen», betonte Bahnsprecherin Sabine Weber. «Geschlossene Schranken und Warnlichter sind keine Vorschläge, sondern lebenswichtige Sicherheitsvorkehrungen.»
Die Polizei Dortmund appelliert an alle Verkehrsteilnehmer, die Regeln an Bahnübergängen strikt zu beachten. Auch kurze Wartezeiten könnten lebensrettend sein. Anwohner berichten, dass es an diesem Bahnübergang in der Vergangenheit bereits zu mehreren gefährlichen Situationen gekommen sei, allerdings nicht in dieser Schwere.
Der Vorfall reiht sich in eine beunruhigende Statistik ein. Im vergangenen Jahr registrierte die Bundespolizei bundesweit über 140 Unfälle an Bahnübergängen, bei denen insgesamt 19 Menschen ums Leben kamen und viele weitere verletzt wurden.