In Berlin wird der Kampf gegen illegale Autorennen verschärft. Die Hauptstadt nimmt jetzt verstärkt die Vermieter von Hochleistungsfahrzeugen ins Visier. Dieses gefährliche Phänomen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem ernsthaften Problem entwickelt, das nicht nur die öffentliche Sicherheit gefährdet, sondern auch bereits Menschenleben gekostet hat.
Die Berliner Polizei registrierte allein im vergangenen Jahr über 800 illegale Autorennen. Bei diesen Wettfahrten werden häufig gemietete Luxusfahrzeuge und Sportwagen eingesetzt. Die Fahrer, oft junge Männer, nutzen den kurzzeitigen Zugang zu PS-starken Fahrzeugen, um sich auf öffentlichen Straßen gefährliche Rennen zu liefern.
«Die Raser gefährden nicht nur sich selbst, sondern vor allem unbeteiligte Verkehrsteilnehmer. Wir müssen an allen möglichen Stellschrauben drehen, um dieses Problem einzudämmen», erklärt Polizeidirektorin Sabine Meyer. Die Polizei steht dabei vor der Herausforderung, dass die Rennen oft spontan stattfinden und über soziale Medien organisiert werden.
Vermieter in der Verantwortung
Die neue Strategie setzt nun bei den Autovermietern an. Ein kürzlich vom Berliner Senat verabschiedetes Maßnahmenpaket sieht vor, dass Vermieter von Hochleistungsfahrzeugen stärker in die Pflicht genommen werden. Sie sollen künftig umfassendere Kontrollen durchführen, bevor sie ihre Fahrzeuge an Kunden übergeben.
Die Vermietfirmen müssen nun:
- Die Fahrerlaubnis gründlicher prüfen
- Die Identität der Mieter zweifelsfrei feststellen
- Deutliche Hinweise auf die strafrechtlichen Folgen illegaler Rennen geben
- Bei Verdachtsfällen die Vermietung verweigern
Zudem drohen Vermietern, die wiederholt an Personen vermieten, die an illegalen Rennen teilnehmen, empfindliche Geldstrafen und im Extremfall der Entzug der Gewerbeerlaubnis.
Jörg Becker vom Berliner Autovermieterverband zeigt Verständnis für die Maßnahmen: «Die seriösen Anbieter in unserer Branche haben selbst kein Interesse daran, dass ihre Fahrzeuge für illegale Aktivitäten missbraucht werden. Die neuen Regeln treffen vor allem die schwarzen Schafe, die bisher weggeschaut haben.»
Technische Überwachung wird verstärkt
Parallel zur verschärften Kontrolle der Vermieter setzt Berlin auf eine Ausweitung der technischen Überwachung. An bekannten Rennstrecken wie dem Kurfürstendamm oder der Stadtautobahn werden zusätzliche Geschwindigkeitsmessanlagen installiert. Diese sollen nicht nur zur Ahndung von Verstößen dienen, sondern auch präventiv wirken.
Die Polizei hat zudem eine Sondereinheit gebildet, die sich ausschließlich mit dem Problem der illegalen Autorennen befasst. Diese Beamten sind speziell geschult, um die typischen Anzeichen für geplante Rennen zu erkennen und frühzeitig einzugreifen.
«Wir setzen auch auf zivile Fahrzeuge mit Videoaufzeichnung, um Beweise zu sichern», erläutert Polizeihauptkommissar Thomas Wagner. «Die Täter müssen wissen, dass sie jederzeit erwischt werden können, auch wenn kein Streifenwagen sichtbar ist.»
Härtere Strafen zeigen Wirkung
Seit 2017 ist das illegale Autorennen in Deutschland ein eigener Straftatbestand. Wer an solchen Rennen teilnimmt, muss mit Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren rechnen. Kommt es zu einem Unfall mit Todesfolge, drohen sogar bis zu zehn Jahre Haft.
Diese Verschärfung des Strafrechts zeigt mittlerweile Wirkung. In mehreren Fällen wurden in Berlin bereits mehrjährige Haftstrafen verhängt. Ein besonders tragischer Fall ereignete sich 2016, als ein unbeteiligter Autofahrer bei einem Rennen auf dem Kurfürstendamm ums Leben kam. Die beiden Raser wurden wegen Mordes verurteilt.
Die Staatsanwaltschaft Berlin verfolgt solche Fälle mit Nachdruck. «Wir wollen ein klares Signal senden, dass es sich hier nicht um Kavaliersdelikte handelt», betont Oberstaatsanwältin Martina Schmid. «Wer sein Auto als Waffe einsetzt und das Leben anderer gefährdet, muss mit der vollen Härte des Gesetzes rechnen.»
Bürgerinitiative fordert weitere Maßnahmen
Die Bürgerinitiative «Sichere Straßen Berlin» begrüßt die neuen Maßnahmen gegen die Vermieter, fordert aber noch weitergehende Schritte. «Es ist gut, dass man jetzt auch die Anbieter in den Blick nimmt, aber wir brauchen mehr bauliche Maßnahmen an den bekannten Rennstrecken», sagt Sprecherin Claudia Werner.
Die Initiative schlägt vor, an besonders gefährdeten Straßen temporäre Geschwindigkeitsbegrenzungen einzurichten und durch bauliche Maßnahmen wie Fahrbahnverengungen und zusätzliche Ampeln die Attraktivität für Raser zu verringern.
Auch Schülerin Mia Schmidt, die in der Nähe einer bekannten Rennstrecke wohnt, wünscht sich mehr Sicherheit: «Fast jedes Wochenende werden wir nachts von quietschenden Reifen und aufheulenden Motoren geweckt. Es ist nicht nur laut, sondern auch beängstigend, wenn man weiß, dass jederzeit ein Unfall passieren kann.»
Prävention durch Aufklärung
Neben den verschärften Kontrollen und Strafen setzt Berlin auch auf Prävention. In Fahrschulen und an Schulen werden Aufklärungskampagnen durchgeführt, die junge Menschen für die Gefahren sensibilisieren sollen.
«Wir müssen an die Vernunft appellieren und klarmachen, dass es sich beim Straßenverkehr nicht um eine Spielwiese handelt», erklärt Verkehrssenatorin Julia Müller. «Für den Kick gibt es legale Alternativen wie Rennstrecken oder Fahrsicherheitstrainings.»
Die Maßnahmen gegen Vermieter sind Teil eines größeren Konzepts, das verschiedene Ansätze kombiniert. Ob sie ausreichen werden, das Problem der illegalen Autorennen einzudämmen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Berliner Behörden sind jedoch entschlossen, den Druck auf alle Beteiligten weiter zu erhöhen.
Die Hauptstadt könnte dabei zum Vorbild für andere deutsche Großstädte werden, die mit ähnlichen Problemen kämpfen. Erste Anfragen aus Hamburg und Köln zu den Berliner Erfahrungen liegen bereits vor.