Als ich heute morgen durch die Schultüren trat, sah ich eine Welt in Miniatur. Kinder aus Syrien, der Ukraine und dem Libanon spielten mit deutschen Klassenkameraden. Eine lebendige Collage unserer Gesellschaft. Zehn Jahre nach Angela Merkels berühmtem «Wir schaffen das» zeigt sich im Klassenzimmer die wahre Integrationsgeschichte Deutschlands.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Über 3,5 Millionen Menschen sind seit 2015 nach Deutschland gekommen. Das Bildungssystem steht vor enormen Herausforderungen. In meiner Heimatstadt wurden allein im letzten Jahr 27 Sprachförderklassen eingerichtet. Der Fortschritt ist spürbar, aber ungleich verteilt.
«Sprache ist der Schlüssel zu echter Integration«, erklärt mir Bildungsforscherin Dr. Martina Weber. «Aber wir brauchen mehr als nur Deutschkurse.» Bei meinem Besuch einer Gemeinschaftsschule beeindruckte mich besonders ein syrischer Junge, der nach nur drei Jahren fließend Deutsch spricht und seinen Mitschülern bei Matheaufgaben hilft.
Die Realität zeigt jedoch auch Schatten. Lehrkräftemangel und überfüllte Klassen erschweren individuelles Lernen. Mein Gespräch mit einer erschöpften Grundschullehrerin offenbarte die täglichen Kämpfe: «Wir jonglieren zwischen Sprachförderung, Traumabewältigung und normalem Unterrichtsstoff.»
Die Bildungsintegration bleibt ein Generationenprojekt. Als ich die Kinder beim gemeinsamen Fußballspiel beobachtete, wurde mir klar: In diesen Begegnungen wächst das Deutschland von morgen. Die Frage ist nicht mehr, ob wir es schaffen, sondern wie wir es gemeinsam besser schaffen können.