In den östlichen Stadtteilen Münchens sind seit Montag hunderte Haushalte von einem schwerwiegenden Netzausfall betroffen. Anwohner in Bogenhausen, Haidhausen und Teilen von Berg am Laim können weder telefonieren noch fernsehen oder im Internet surfen. Die Störung hält bereits den dritten Tag an und stellt viele Menschen vor erhebliche Probleme.
Laut Telekom-Sprecher Markus Jodl wurde der Ausfall durch Bauarbeiten verursacht. «Bei Tiefbauarbeiten einer externen Baufirma wurden leider mehrere unserer Hauptleitungen durchtrennt», erklärte er gestern auf Anfrage. Besonders ärgerlich für die Betroffenen: Die Reparaturarbeiten gestalten sich komplizierter als zunächst angenommen.
Die beschädigten Glasfaserkabel liegen in drei Metern Tiefe unter einer vielbefahrenen Kreuzung. Um sie zu reparieren, muss die Straße aufgerissen werden. «Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Verbindungen wiederherzustellen», versicherte Jodl. Die Telekom hat bereits eine Spezialfirma beauftragt, die rund um die Uhr im Einsatz ist.
Für viele Anwohner kommt die Störung zur Unzeit. «Ich arbeite im Homeoffice und bin komplett aufgeschmissen», berichtet die 42-jährige Claudia Meier aus der Prinzregentenstraße. Ähnlich geht es dem Rentner Klaus Huber aus Bogenhausen: «Kein Telefon, kein Fernsehen – ich fühle mich regelrecht abgeschnitten von der Außenwelt.«
Die Stadtwerke München bestätigten auf Anfrage, dass auch einige ihrer Kunden betroffen sind. «Wir können leider nichts tun, da die Hauptleitungen der Telekom beschädigt wurden», so eine Sprecherin. Auch andere Anbieter wie Vodafone, deren Dienste über die Telekom-Infrastruktur laufen, meldeten Ausfälle.
Besonders bitter ist die Situation für kleine Unternehmen in der betroffenen Region. Das Café «Kaffeeliebe» an der Einsteinstraße kann seit Tagen keine Kartenzahlungen mehr annehmen. «Wir verlieren Umsatz, weil viele Kunden heutzutage kein Bargeld mehr dabeihaben», klagt Inhaberin Sophia Weber.
Die Münchner Stadtverwaltung hat inzwischen reagiert. In besonders betroffenen Gebieten wurden temporäre WLAN-Hotspots eingerichtet. In der Grundschule an der Führichstraße steht zudem ein Notfalltelefon zur Verfügung.
Wann genau die Störung behoben sein wird, konnte die Telekom noch nicht verbindlich sagen. «Wir hoffen, bis Freitag alle Haushalte wieder ans Netz zu bekommen», so Jodl. Für die entstandenen Unannehmlichkeiten wolle man den betroffenen Kunden eine Gutschrift anbieten.
Anwohner werden gebeten, sich bei anhaltenden Problemen an die Störungshotline der Telekom zu wenden. Diese ist trotz des Ausfalls über Mobilfunk erreichbar. Die Stadtwerke München haben ebenfalls eine Sonderhotline für betroffene Kunden eingerichtet.
Der Vorfall zeigt einmal mehr, wie abhängig unsere Gesellschaft von funktionierenden Kommunikationsnetzen geworden ist. «Ein paar Tage ohne Internet und Telefon – früher wäre das kein Problem gewesen. Heute ist es fast wie ein Notstand», meint der 67-jährige Anwohner Peter Fischer. Die Telekom verspricht, nach Behebung der Störung zu prüfen, wie solche Vorfälle künftig vermieden werden können.