Neulich beim Einkaufen fiel mir auf: Die Leute stehen länger vor den Regalen. Sie vergleichen Preise, zögern beim Zugreifen. Kein Wunder – die Spritpreise haben uns alle getroffen. Doch was kommt als Nächstes? Der Iran-Konflikt zeigt seine Wirkung mittlerweile weit über die Tankstellen hinaus. Die Landwirte hier in NRW spüren es bereits: Dünger wird knapp und teuer.
«Stickstoffdünger ist veredeltes Erdgas«, erklärt Thomas Böcker von der Landwirtschaftskammer NRW. Die Golfregion liefert normalerweise einen großen Teil davon. Nun greifen andere Länder verstärkt auf alternative Lieferanten zu. Das treibt die Preise nach oben. Reinhard Pröbsting von Raiffeisen Münsterland rechnet mit dramatischen Steigerungen: «30, 40, 50 Prozent – und keiner weiß, wo das endet.» Bis Ostern sei die Versorgung gesichert. Danach wird es kritisch. Ich habe gestern mit einem Landwirt aus dem Münsterland gesprochen. Seine Sorge war spürbar: «Wie soll ich kalkulieren, wenn sich alles verdoppelt?»
Die Internationale Energieagentur warnt bereits vor der schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten. Für uns bedeutet das: teureres Brot, teurere Kartoffeln, vielleicht auch teureres Fleisch. NRW hat durch Gülle aus der Tierhaltung einen kleinen Vorteil. Doch der reicht nicht aus. Die Ökonomin Samina Sultan sieht besonders bei Getreide und Mais kritische Entwicklungen. Global drohen nach Einschätzung der Welthungerhilfe sogar verschärfte Ernährungskrisen.
Was vor wenigen Wochen noch weit entfernt schien, rückt näher. Der Konflikt zeigt: Unsere Lebensmittelversorgung hängt an fragilen globalen Ketten. Vielleicht sollten wir wieder mehr darüber nachdenken, was wirklich regional funktionieren kann.