In Dresden zeichnet sich eine erfreuliche Entwicklung ab: Die Jugendkriminalität ist im vergangenen Jahr merklich zurückgegangen. Nach Angaben der Dresdner Polizeidirektion wurden 2025 insgesamt 2.345 Straftaten registriert, die von Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren begangen wurden. Das entspricht einem Rückgang von 12,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
«Diese Zahlen sind ein positives Signal für unsere Stadt», erklärt Polizeipräsidentin Karla Weiß bei der Vorstellung der aktuellen Kriminalstatistik. «Wir sehen hier die Früchte unserer intensiven Präventionsarbeit in den letzten Jahren.»
Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Eigentumsdelikten und Sachbeschädigungen aus. Ladendiebstähle sanken um 15,6 Prozent, Fälle von Vandalismus gingen um 18,2 Prozent zurück. Bei Körperverletzungen verzeichnete die Polizei einen Rückgang von 9,4 Prozent.
Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Schulen
Als Hauptgrund für diese positive Entwicklung nennen die Behörden die enge Kooperation zwischen Polizei, Schulen und Jugendsozialarbeit. Das 2023 gestartete Programm «Starke Jugend – Sicheres Dresden» scheint Wirkung zu zeigen. In dessen Rahmen besuchen Polizeibeamte regelmäßig Schulen, um mit Jugendlichen über Themen wie Gewaltprävention, Drogenkonsum und die rechtlichen Folgen strafbaren Handelns zu sprechen.
«Der direkte Kontakt zu den Jugendlichen ist entscheidend», betont Jugendbeauftragter Michael Berger von der Dresdner Polizei. «Wir erleben, dass viele junge Menschen durchaus empfänglich sind für klare Grenzen und Orientierung.»
Auch Oberbürgermeisterin Sophia Richter zeigt sich erfreut: «Die Zahlen bestätigen unseren Ansatz, nicht nur auf Repression zu setzen, sondern vor allem in Prävention und Jugendsozialarbeit zu investieren.»
Herausforderungen bleiben
Trotz der insgesamt positiven Bilanz gibt es weiterhin Problemfelder. So stieg die Zahl der Drogendelikte unter Jugendlichen leicht an, um 3,8 Prozent. Auch bei der Internetkriminalität verzeichneten die Ermittler einen Anstieg von 5,2 Prozent.
«Diese Bereiche bereiten uns Sorge», räumt Polizeipräsidentin Weiß ein. «Wir werden hier unsere Präventionsarbeit verstärken und neue Konzepte entwickeln.» Für 2026 plant die Stadt zusammen mit der Polizei eine Kampagne, die speziell auf die Gefahren von Drogenkonsum und Internetkriminalität ausgerichtet ist.
Quartiersbezogene Unterschiede
Auffällig ist, dass die Entwicklung nicht in allen Stadtteilen gleich verläuft. Während in den Quartieren Johannstadt und Striesen der Rückgang mit über 20 Prozent besonders deutlich ausfiel, verzeichnete die Neustadt nur einen minimalen Rückgang von 1,5 Prozent.
«Die unterschiedlichen Zahlen zeigen, dass wir unsere Angebote noch gezielter auf die verschiedenen Stadtviertel ausrichten müssen», erklärt Jugenddezernent Thomas Fischer. «Was in Striesen funktioniert, muss nicht automatisch in der Neustadt greifen.»
Jugendarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Ein wichtiger Faktor für den Rückgang der Kriminalität ist nach Einschätzung von Experten die Ausweitung von Freizeitangeboten für Jugendliche. Dresden hat in den letzten zwei Jahren sechs neue Jugendzentren eröffnet und die Öffnungszeiten bestehender Einrichtungen ausgeweitet.
«Jugendliche brauchen sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten und Orte, wo sie sich treffen können, ohne dass gleich Konflikte entstehen», sagt Sozialpädagogin Maria Lehmann, die das Jugendzentrum «Checkpoint» in Gorbitz leitet. «Wir bieten nicht nur Freizeitaktivitäten an, sondern auch Hausaufgabenhilfe und Beratung bei Problemen.»
Die Stadt Dresden hat 2025 insgesamt 4,2 Millionen Euro in Jugendarbeit investiert – 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Investition scheint sich nun auszuzahlen.
«Jeder Euro, den wir in die Prävention stecken, spart uns später ein Vielfaches an Kosten für Strafverfolgung und Resozialisierung», betont Oberbürgermeisterin Richter.
Für die kommenden Jahre plant die Stadt, das Präventionsprogramm fortzuführen und weiter auszubauen. Dabei sollen verstärkt Jugendliche selbst in die Konzeption und Umsetzung von Projekten einbezogen werden.
«Wir wollen die Jugendlichen nicht nur als potenzielle Problemgruppe sehen, sondern sie aktiv einbinden und ihre Ideen ernst nehmen», erklärt Jugenddezernent Fischer. «Nur so können wir nachhaltige Erfolge erzielen.»
Der positive Trend bei der Jugendkriminalität ist für Dresden ein ermutigendes Zeichen. Er zeigt, dass gezielte Präventionsmaßnahmen und eine gute Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Institutionen wirksam sein können. Doch alle Beteiligten sind sich einig: Die Anstrengungen müssen fortgesetzt werden, um den positiven Trend zu stabilisieren und weiter auszubauen.